Alternativ Unterwegs

Gemeinsam mit ihrer ehrenamtlichen Redaktion hat die Initiatorin Amelie Bauer ‚Alternativ Unterwegs‘ auf die Beine gestellt. Unterstützt durch die kreativen Köpfe Florian Sperk und Fabian Lieke, veröffentlichte sie in ihrem Verlag Gartenlaube UG einen abwechslungsreichen und sehr gut recherchierten Guide für ein alternatives Leben in München. Seit letzten Samstag ist ‚Alternativ Unterwegs‘ erhältlich und überzeugt durch kreatives Design, einen in Stadtviertel gegliederten Überblick der Szene und durch viele Hinweise auf soziales Engagement und kreative Initiativen der Stadt. ‚Alternativ Unterwegs‘ macht wirklich Spaß! Vor allem die Interviews zeugen von einem großartigen Ansporn vieler Münchner und zeigen uns München aus einer neuen und überzeugenden Perspektive.

Die Ideengeberin und Chefredakteurin ist noch lange keine 30 Jahre alt – Bühne frei, für den ersten alternativen Stadtführer Münchens:

Über dich?

Ich heiße Amelie Bauer und ich vertrete hier die gesamte Redaktion von ‚Alternativ Unterwegs‘ – dem ersten alternativ-ökologischen Stadtführer für München. Wir sind eine ehrenamtliche Redaktion aus zehn Leuten. Ich bin die Ideengeberin und Chefredakteurin.

Über dich und München?

München hat viele alternative Orte und hier leben richtig engagierte Menschen. Wir wollen die alternativen Orte zeigen, von ökologisch und sozial bis kurios und vom Aussterben bedroht. Deswegen stellen wir schicke vegane Restaurants und alteingesessene kleine Bioläden im Viertel vor, spaßige Kleidertauschpartys oder urige Museen. Und weil wir wissen wollen, was andere über München denken, kommen in Alternativ Unterwegs viele engagierte Leute zu Wort: ob Asylsuchender, Eisbachsurfer oder Foodsharing-Aktivistin.

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Wie kam er zur Idee Alternativ Unterwegs auf die Beine zu stellen?

In München passiert ganz viel, das wollten wir zeigen. Und zwar so, dass es alle Leute lesen können – also nicht nur ein Heft für eingeschworene Öko-Kreise oder einen Blog für Szene-Leute. Sondern ein Buch, in dem die Touristin aus Hamburg genauso gerne schmökert wie der zünftigste Ur-Münchner.

Was steckt genau hinter ‚Alternativ Unterwegs‘ und worauf hast du einen besonderen Fokus gelegt?

Wichtig ist uns, dass wir niemandem vorschreiben, wie sie leben müssen. In ‚Alternativ Unterwegs‘ gibt es keine Checkliste, keine erhobenen Zeigefinger und keinen CO2-Rechner. Wir zeigen, was uns gefällt, was wir uns dabei denken und warum wir etwas für wichtig oder für problematisch halten. Was du davon hältst, das kannst du am besten selbst entscheiden. Wir wollen im Buch ganz viele verschiedene Blicke auf München versammeln – auch Kritische! Das ist das besondere an unserem Stadtführer: Hier kommen die Menschen zu Wort, die sich wirklich dafür engagieren, dass die Stadt besser, schöner, gerechter wird. Denn die, finden wir, sind es, die München ausmachen. Wir wollten wissen, was sie bewegt und motiviert.

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Beim Blättern von ‚Alternativ Unterwegs‘ überraschen mich vor allem die kuriose Bandbreite der Tipps für unsere Stadt. Übersichtlich in die einzelnen Stadtviertel aufgegliedert zeigst du dem Leser oft das, was er meist noch nicht kennt oder im schnellen Vorbeilaufen übersieht. Du gibst Vorschläge zum Ausgehen in München, stellst interessante Orte, Initiativen und Persönlichkeiten vor. Hast du ein Highlight für den Sommer wovon sicherlich noch kein Münchner gehört hat?

Nein, ein Highlight habe ich nicht. Aber 336 Seiten voller Highlights! Weil die Themenauswahl recht abwechslungsreich ist, finden glaube ich alle etwas, das sie interessiert. Flohmarkt, Schmalznudel, Münchner Erdkröte oder Anleitung zum Demo organisieren – irgendetwas findest du bestimmt!

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Wie sieht die Szene generell in München aus? Weißt du von einem Netzwerk oder einem kreativen Zusammenschluss in der Stadt, das alternative Ideen auf einen Nenner bringt?

Leider nicht. Es gibt ganz viele tolle Initiativen und Vereine, aber oft wird eher so vor sich hingewurschtelt. Und manchmal wissen die einen auch gar nicht von den anderen. Mit Alternativ Unterwegs wollen wir einen Teil dazu beitragen, diese Landschaft einerseits abzubilden und andererseits zu stärken.

Wie würdest du den Initiativgedanken der Münchner beschreiben? Glaubst du es fehlt manchmal an Selbstinitiative, wenn es um soziale oder ökologisch wichtige Themen geht? Haben wir generell einen Nachholbedarf?

Nein, das glaube ich absolut nicht. Sehr viele Leute interessieren sich für diese Themen und wollen etwas tun. Manchmal fehlt vielleicht das Wissen, wo ich mich engagieren kann, manchmal der konkrete Aufhänger. In ‚Alternativ Unterwegs‘ gibt es auf jeden Fall viel Material, um kritisch über die Stadt und ihre Probleme nachzudenken, aber auch, um Lösungen näherzukommen. Und wenn du nach einer Engagement-Möglichkeit suchst, wirst du bestimmt fündig!

Du bist Ideengeberin und Chefredakteurin von ‚Alternativ Unterwegs‘. Dies hört sich nach viel Koordinationsgeschick und Power, aber auch nach viel kreativen Output an. Was schätzt du an ehrenamtlichem Engagement?

Wir haben das alle ehrenamtlich und nebenbei gemacht – neben Arbeit, Studium und anderem Engagement. Klar, dadurch war es mehr Aufwand und manches läuft zäher als in einem professionellen Umfeld. Dafür stecken hinter diesem Buch wirklich engagierte Leute, die das aus starkem eigenen Interesse und mit großer Motivation machen. Jedes einzelne Redaktionsmitglied hat eine ganz eigene Sicht mitgebracht – ob Öko oder Kunst-Szene. Während der Redaktionstreffen haben wir auch viel inhaltlich diskutiert. Und das ist auch im Buch zu merken. Ich finde, dadurch ist alles weniger glatt, weniger professionell – aber eben auch viel persönlicher, nachvollziehbarer und glaubwürdiger. Mir hat diese DIY-Herangehensweise viel Spaß gemacht.

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Vielen Dank für das Interview! Mehr Infos findet hier und folgen könnt ihr auf Twitter.
Unter allen Kommentaren, die ihr für dieses Interview hinterlasst, verlosen wir ein Exemplar von ‚Alternativ Unterwegs‘. Teilnahmebedingungen hier.

Fotos: Amelie Bauer, Alina Kroos, Helena Pooch