Annika Schüler

Vor einiger Zeit haben ich euch Cocii vorgestellt. Bei dem ersten Besuch im N°10 sind mir auch die schönen Stücke des Porzellan-Label von Annika Schüler aufgefallen und diese schrien quasi nach einer Vorstellung. Ich bin schon länger verliebt in die schönen Stücke und hab mir auch schon das ein oder andere zugelegt :). Die liebe Annika gewährt uns heute einen kleinen Einblick in ihre Arbeit, stellt uns ihre feinen Produkte vor und erzählt wie es ist, sich selbstständig zu machen. Falls in den nächsten Wochen mal wieder ein verregneter Samstag ist, könnt ihr einfach im N°10 Showroom vorbeischauen und stöbern.

Über dich?

Ich heiße Annika und bin 33 Jahre alt und wohne in einer süßen kleinen Wohnung im Westend. Mitten im Museumsviertel Maxvorstadt/Schwabing ist „N°10“ ein Laden mit Werkstatt, den ich zusammen mit einer Freundin, die Schmuckdesignerin ist, betreibe. Ich stelle Kleinserien und Einzelstücke aus Porzellan her, von der Idee bis zum fertigen Produkt.

Über Dich und München?

Ich bin vor 7 Jahren nach München gezogen und habe die Stadt von Jahr zu Jahr immer lieber gewonnen. Ich fühle mich pudelwohl und entdecke immer wieder neue Seiten, Angebote, Menschen und Möglichkeiten hier meine Tage zu füllen. Grandios finde ich auch das man mit dem Fahrrad überall hinkommt und so unbeschwert flexibel ist. Im Sommer ist sie grün und energiegeladen und ich mag, dass München sauber und aufgeräumt ist. Viele Vorurteile finde ich unpassend oder engstirnig. Jede Stadt hat ihre positiven und negativen Seiten. Welche Stadt ist schon perfekt? Momentan ist es München aber für mich, denn wie könnte ich meine Liebsten zurücklassen oder das Projekt N°10? Aber ich sage niemals nie, dass es auch anders kommen kann.

Dein München. Eine Empfehlung?

Etwas ganz Besonderes ist definitiv der „Geisels Werneckhof“ an der Münchner Freiheit. Tohru Nakamura führt einen phantastischen Dialog aus europäischer und japanischer Küche. Und manche Gerichte isst man von meinem Geschirr… ein weiteres Schmuckstück ist der „Salon Irkutsk“, ein Abendbistro für franko-slawophiles Trinkvergnügen, in dem man urgemütlich sitzt, klein aber fein und es immer wieder unterschiedliche kulturelle Angebote gibt, wie Lesungen, Musikdarbietungen…auch das „Welt White“ in der Theresienstraße ist ein schöner individueller Laden, in dem man unterschiedlichste kleine Geschenke findet, sollte man welche suchen. München hat viel zu bieten, ist schön gelegen, so dass man schwups die wupps am Tegernsee ist oder in den wunderbaren Bergen.

Was liebst du an der Keramik und warum hast du dich für dieses Handwerk entschieden?

Porzellan fasziniert mich, es ist samtenweich und wunderschön weiss, ebenso finde ich es spannend, wie daraus Schritt für Schritt ein feines, elegantes Gefäß entstehen kann. Eine sinnliche, kreative Arbeit.
Die Vielseitigkeit an Tonarten, Glasuren und Brenntechniken lassen mir nahezu unbegrenzte Möglichkeiten offen, um auszuprobieren, zu forschen, zu spielen. Das Keramik – Handwerk überrascht mich immer wieder aufs Neue und das mag ich!

IMG_5739

Wieviel Zeit steckt in einem Produkt? Wieviele verschiedene Stadien muss ein Produkt durchmachen?

In der Keramik ist es schwer zu sagen, wie lange man für die Fertigstellung eines Stückes braucht. Denn die Gefäße werden gedreht, sind nass und müssen daher erst trocknen, bevor sie im lederharten Zustand weiterverarbeitet werden können. Auch der Schrühbrand und der Glasurbrand braucht durch aufheizen und abkühlen zwischen 2 und 3 Tagen. Man muss bestimmte Zustände des Tones abwarten um die jeweiligen Arbeitsschritte nach und nach abzuarbeiten.

Was ist dein Lieblingsstück?

Momentan mag ich meine Becher mit Goldboden oder Goldrand, denn zu dieser doch eher grauen Jahreszeit finde ich den Gegensatz durch das Funkeln und Strahlen des Goldes toll.

IMG_5737

Du bietest Kurse an: Wie laufen sie ab, wer kann sich bewerben und was wäre der Preis?

Ja und ich freue mich jedes mal aufs Neue, wenn sich Interessierte melden, die das Keramikhandwerk an der Drehscheibe ausprobieren wollen und nach erfolgreicher Teilnahme glücklich beseelt nach Hause gehen. Meine Kurse werden zu zweit oder auch alleine besucht. Die Termine mache ich individuell mit den Interessierten aus, da es doch sehr unterschiedliche Jobs und Tagesabläufe der Kursteilnehmer gibt. Aber da ich die Kurse auch Samstags geben kann, findet sich immer ein freies Zeitfenster. Ich empfehle meist 2 Stunden, eine gute Zeit um sich einzufühlen in das Material und auch genug Zeit, dass auch kleine Schälchen oder ähnliches entstehen.

Wie kamt ihr auf die Idee, euch ein Laden zu teilen?

Ich finde es bereichernd und schön, frei nach dem Motto „Weniger Ego, mehr Wir“ die perfekte Partnerin in Claudia Lassner mit ihrem Schmucklabel „Cocii Jewellery“ für N°10 gefunden zu haben.
Wir wollten beide nicht allein in einer Werkstatt sitzen und uns nur um den eigenen Fach-Kosmos drehen. Eine gemeinsame Werkstatt, ein gemeinsamer Laden bedeutet gemeinsam das Risiko tragen zu können, sich zu stützen und gleichzeitig sich aber auch im Kreativen zu befeuern.

Wie ist es einen eigenen Laden aufzumachen? Was waren deine Ängste?

So etwas ist natürlich immer ein Abenteuer. Am Anfang standen mit der Werkstattausrüstung, z. B. mit den Öfen auch nicht unerhebliche Investitionen. Aber ich liebe es, meinen Weg zu gehen, etwas anzufangen und fortzuführen, das gute Gefühl, alle Klippen irgendwie umschiffen zu können. Ich würde nicht von Ängsten sprechen, sondern lieber von Neugierde und Freude, zusammen mit einer tollen Kollegin etwas eigenes, besonderes zu erschaffen. Ein eigener Laden bedeutet natürlich auch immerwährendes Risiko, aber es liegt an mir, was ich daraus mache. So bleibe ich immer wach und neugierig, wohin es als nächstes geht, wie meine nächste Serie aussieht.

Beflügelt man sich gegenseitig bei der Arbeit?

Wir sind uns gegenseitig Fan und Kritikerin in einem. Kreatives Gestalten heißt immer über den Tellerrand schauen, sich mit anderen Gewerken und Künstlerinnen zu beschäftigen, sich inspirieren zu lassen und wenn man in unseren Laden kommt, wird man feststellen, wie nah sich eleganter Schmuck und feines Porzellan stehen.

Was machst du sonst in deiner Freizeit gerne?

Ich bin schon immer gerne ins Theater gegangen, aber durch meinen Freund der Schauspieler bei der „compagnie nik“ ist, finde ich es besonders spannend jetzt noch viel mehr vom Kinder- und Jugendtheater und allgemein von den Geschichten hinter der Bühne mitzubekommen. Das es neben Resi und den Kammerspielen noch eine abwechslungsreiche freie Theaterlandschaft in München gibt, ist es auf jeden Fall eine Entdeckungsreise wert.

Vielen lieben Dank Annika, dass du dir die Zeit genommen hast und uns einen kleinen Einblick in deine Arbeit gegeben hast.