Bavaria – Münchner Positionen im Art goes Underground

Heute hat das Münchner Kindl einen besonderen Beitrag in der freitäglichen Rubrik »Heimvorteil« für euch. Gestern Abend eröffnete die Ausstellung „Bavaria“ in München, in der sich acht verschiedene künstlerische Positionen mit Ihrer Heimat Bayern auseinandersetzen. Die Starkbierzeit bietet den zeitlich perfekten Rahmen für die Veranstaltung.

Die Kunstakademie in München bringt seit Jahren viele begabte Talente hervor und eine große Kreativ- und Designszene ist in München zu Hause. Wie sehen die Münchner Künstler ihre Heimat und wie lassen sie sich von ihr zur Kunstproduktion anregen? In der Ausstellung „Bavaria“, organisiert von der Firma Kunstevent, setzen sich acht Künstler, die alle in München leben, mit dieser Frage auseinander. Die Lokation „Art goes Underground“ bietet dazu die perfekte Mischung aus Ausstellungsraum und Partylocation mit ein wenig Wirtshausatmosphäre. Die gestrige Eröffnung war typisch bayerisch: Für die Besucher gab es Bier und Brotzeit sowie eine musikalische Einstimmung der bayerischen Schauspielerin und Komikerin Veronika von Quast, bekannt aus dem Singspiel des Starkbieranstichs auf dem Nockerberg, dem Münchner Volkstheater und der Komödie im Bayerischen Hof.

In der Ausstellung trifft Typisches auf Untypisches, Traditionelles steht Modernem gegenüber und Offensichtliches kontrastiert mit Verstecktem. Die übergreifende Auseinandersetzung, die durch die Vielfalt an gewählten Medien und Sujets erzeugt wird, macht Spaß. Fotografie trifft auf Collage, Skulptur auf Illustration und viele der Arbeiten hinterfragen mit einem Augenzwinkern Darstellungsweisen und Klischées, die mit Bayern und seinen Traditionen in Verbindung stehen.

Collage_Bavaria

Marion Heubergers Fotografie-Serien beleuchten Szenen vom Oktoberfest, darunter natürlich auch die Bavaria selbst. Eine weitere Serie über den Rindermarkt entfernt sich vom traditionellen Münchner Postkartenmotiv. Carl-H1 Daxl zeigt in seinen unverwechselbaren Malereien auf Holz derbe Lederhosenträger gespickt mit bayerischem Wortwitz. Traditionelle Münchner Architektur wird von Friederike Hoellerer in ausdrucksstarke und kraftvolle Malerei umgesetzt, darunter der Chinesische Turm, der Monopteros oder das Alte Rathaus.

Auch König Ludwig darf als Motiv der in Serbien geborenen Künstlerin Maja Jiranek nicht fehlen. Sie zeigt außerdem Collagen mit Artikeln der Süddeutschen Zeitung oder der New York Times und Aquarelle, die sie mit Isarwasser gemalt hat. Paolo Randazzos dreidimesionale Collagen sind besonders vielfältig – kleine Entdeckungsreisen, die vom Oktoberfest bis zur Idyllle des Chiemsees führen. Traditionelle Motive wie den Königsplatz oder das Siegestor bildet Ursula Leinfelder auf ihren großformatigen Malereien ab. Josephine Kaiser spielt in ihren Miniatur Pin-up-Skulpturen aus Bastelknete und ihren Scherenschnitten kokett mit dem Bild der bayerischen Frau, sei es im wehenden Dirndl oder als Löwenbändigerin. Die zeitgenössisch interpretierten Geweihe in Neonfarben sind das Werk der Künstlerin Sabine Hanse.

Die Ausstellung ist ein sehr abwechslungsreicher Streifzug durch München und Bayern. Auf keinen Fall darf man das Frühschoppen mit Andreas Hofmeir von LaBrassBanda am 6. April verpassen. Dort präsentiert er ab 11 Uhr einen Auszug aus seiner musikalischen Lesung »Kein Aufwand«.

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