„Bloggen ist schön, macht aber viel Arbeit“

Im Zuge der Ausstellung „PLAYTIME“ rief das Lenbachhaus München zu einer Blogparade zum Thema Arbeit auf und stellt dabei besonders die Frage nach der Selbst- oder Fremdbestimmtheit.

Da die Frage nach der Selbstbestimmtheit in der Arbeitswelt vor allem für die Generation Y, zu der wir alle drei zählen, ein immer größeres Fragezeichen aufwirft, und die Selbstverwirklichung immer wichtiger wird, bot es sich für uns drei an, uns mit den Themen Blogging und Web 2.0 zu beschäftigen. Ein vermeintlich leichter Schritt, da wir in den Bereichen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Social Media arbeiten und so durch das Bloggen unser Wissen und unsere Leidenschaft am Schreiben verbinden können. Nicht nur durch den Austausch untereinander, sondern vor allem auch durch die stetige Kommunikation mit spannenden Interviewpartnern und durch das Entdecken neuer Themenbereiche lernen wir immer dazu.

Zum Thema „Arbeit“ sehr interessant und definitiv diskutierenswert ist die Idee, die unter anderem von Kerstin Bund* aufgegriffen wurde: Die Generation Y will anders arbeiten und möchte für die Karriere nicht mehr um jeden Preis auf Zeit mit Freunden und für Hobbys verzichten. „Wir verändern die Arbeitswelt“, heißt es in allen großen Tageszeitungen und diversen anderen Büchern.

Die Generation Y, als erste Generation, die von Kindesbeinen an mit dem Internet aufgewachsen ist, wird als „die anspruchsvollste und selbstbewussteste Generation seit langem beschrieben“ (Spiegel online, 7.6.2011). Arbeit, Familie und Freizeit sind keine Begriffe mehr, die sich gegenseitig ausschließen. Dies ist durch den demographischen Wandel selbstverständlicher geworden, es herrscht schon jetzt Fachkräftemangel. Die Generationen „vor uns“ mussten sich ganz anderen Herausforderungen stellen aber profitieren nun auch von den Forderungen der „Jungen“. Somit sind Teilzeitmodelle, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Work-Life-Balance, Kinderbetreuung und Sabbaticals, nicht mehr nur Fragen und Bedürfnisse der Generation Y, sondern unserer ganzen Gesellschaft. Für viele Menschen ist mittlerweile kein fester Arbeitsplatz mehr von Nöten. Man braucht lediglich Internetanschluss sowie Laptop und schon kann man seine Meetings mit Kollegen von der ganzen Welt aus führen. Als Blogger kann man sich nicht nur aussuchen von wo aus man arbeitet, sondern auch mit welcher Thematik man sich auseinandersetzen möchte.

Wir bloggen selbstbestimmt. Bei uns dreht es sich in erster Linie darum, Produkte, Personen und Institutionen vorzustellen, die uns selbst am Herzen liegen. Man pickt sich die Rosinen aus dem Kuchen und schreibt über Themen, für die man sich persönlich interessiert. Wir verbinden auf unserem Blog „Das Münchner Kindl“ unser Interesse an der Verbindung von Moderne und Tradition der Stadt München. Dabei dreht es sich um Lifestyle-Themen aus den Bereichen Design, Mode, Literatur und Kunst. Wir möchten besonders jungen Leuten, ihren Start-ups und Ideen eine Plattform bieten.

Dabei ist natürlich der tatsächliche Arbeitsaufwand nicht zu unterschätzen: Man recherchiert nach Themen, trifft Menschen und führt Interviews, macht Fotos und bearbeitet diese, um den Inhalt besonders schön und ansprechend aufzubereiten. Dann will das Ganze noch in WordPress eingespeist, formatiert und zur Steigerung der Reichweite auch in den sozialen Netzwerken veröffentlicht werden. Das macht Spaß, man lernt viel aber natürlich dauert das auch seine Zeit. Ein Blog kann leicht ein Vollzeit-Job sein. Da wir zu dritt bloggen, können wir uns die Arbeit flexibler aufteilen.

Möchte man jedoch mit seinem Blog irgendwann Geld verdienen, steht man vor der Frage: Fremdbestimmt oder Selbstbestimmt? Es ist schwer, sich von dieser Frage zu distanzieren – unser Ziel ist es aber auch in Zukunft, selbstbestimmt zu arbeiten und unsere Leser mit spannenden Themen zu versorgen.

*Kerstin Bund: „Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen“, Murmann Verlag, 2014