Carsharing in München

Der urbane Münchner sieht sein Stadtbild seit wenigen Jahren geprägt von immer mehr Kraftfahrzeugen, besonders jenen, bei welchen hinter der Frontscheibe angebrachte Kartenleser farbig blinken und deren äußere Optik mit Schriftzügen und Firmenlogos überzogen sind. Fahrzeuge, die von mehreren Personen genutzt werden, treffen den Zahn der Zeit mitten in der „Shareconomy“ – ganz nach dem letztjährigen Motto der Cebit: Teilen statt besitzen.

Angeboten werden die sogenannten Carsharing-Fahrzeuge inzwischen von mehreren Firmen mit unterschiedlichen Tarifen; möchte man die persönliche Art der Fortbewegung auf dieses Konzept hin ausrichten, ist es ratsam sich nicht auf nur auf ein Angebot einzulassen. Ob Flinkster, CiteeCar, DriveNow, StattAuto… der Gesetzgeber eint zumindest den Anmeldeprozess: Ohne die menschliche Überprüfung eines gültigen Führerscheins sowie des Personalausweises gibt es keine Zugangskarte zu der Carsharing-Flotte, so begibt man sich bei DriveNow zu einer Sixt-Autovermietung, bei Car2Go führt der Weg zu Europcar und bei wieder anderen ist es der Besuch einer Vertragswerkstatt – abhängig davon mit welchem Kooperationspartner die Carsharing-Anbieter arbeiten.Collage_Carsharing_640_400_cropp

Eine der frühen Kooperationen in München ist die Firma DriveNow, bestehend aus den Firmen BMW und Sixt: die Fahrzeuge stellen BMW und Mini, die Logistik kommt von Sixt. Im „Free Floating“ Verfahren können die Fahrzeuge in der ganzen Stadt an normalen Parkplätzen gebucht oder abgestellt werden, abgerechnet wird pro Minute. Die dafür benötigte stadtweite Parkberechtigung lässt sich die Stadt mit ca. 1200€ pro Jahr und Fahrzeug bezahlen.

Der Markt ist inzwischen hart umkämpft, so musste die unabhängige Firma ZebraMobil im Juli 2013 ihr Carsharing Angebot nach zwei Jahren einstellen, da keine wirtschaftlich attraktive Profitabilität gewährleistet werden konnte. Andere Anbieter zogen dafür nach, wenn auch oft mit namenhaften Unternehmen im Rücken. So steckt hinter dem Anbieter CiteeCar ein großer „Early Stage“ Investor aus Luxemburg, der auch einige Anteile an dem Fahrzeughersteller KIA hält, welcher wiederum die Carsharing Flotte von CiteeCar ausstattet. Längst sind die Angebote nicht mehr auf eine Stadt begrenzt, das System hat sich bewährt, die Expansion explodiert förmlich: In allen großen Städten finden sich die Carsharing Angebote wieder, AGB-Änderungen werden neu formuliert, um den Kunden auch im europäischen Ausland die Nutzungserlaubnis des firmeneigenen Dienstes zu erlauben. Car2Go befindet sich in einem Pilotprojekt, um Autos über Stadtgrenzen hinaus auszutauschen: So kann man von Hamburg nach Berlin fahren und dort den Wagen einfach am nächsten Parkplatz abstellen, ohne diesen wieder nach Hamburg zurückbringen zu müssen – ein klarer Angriff auf die klassischen Autovermieter.

Doch noch liegt der klare Fokus auf den kurzen Strecken, besonders wenn die öffentlichen Verkehrsmittel entweder nicht direkt zum Ziel führen oder ganz simpel mehr Zeit in Anspruch nehmen. Um in München von der Haltestelle Universität mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zum Tierpark Hellabrunn zu gelangen, benötigt man ca. 30 Minuten. Mit dem Auto ist die Strecke in der Hälfte der Zeit zu schaffen. Ein Anbieter Vergleich: Die Strecke Uni – Tierpark dauert 18 Minuten auf 7,5 km – ausgehend von den jeweiligen Standard-Tarifen, die tagsüber gültig sind und ohne Berücksichtigung von Grundgebühren, ergibt sich folgendes Resultat: Flinkster: 3,65€, DriveNow: 5,58€, Car2Go: 5,58€
CiteeCar liegt mit 4,00€ dazwischen, funktioniert aber nicht nach dem ‚Free Floating‘ – Verfahren, sondern das Fahrzeug muss in seinen vorgegebenen Parkbereich zurückgebracht werden, sonst tickt der Gebührenzähler weiter. Hier punktet CiteeCar klar bei Fahrten wie dem Wochenendeinkauf, inklusive Standzeit sind hier 6€ zu erwarten, hingegen bei Car2Go knapp 20€, da hier jede Parkminute mit 0,19€ berechnet werden. Auch für einen Wochenendausflug ist Citee Car die günstigste Variante, zu erwarten sind je nach Entfernung ca. 20 bis 30€, jedoch bezahlt man bei Drivenow natürlich auch mehr für das Fahrgefühl, denn wer fährt nicht lieber im Mini oder dem 1er-Cabrio zu den umliegenden Seen?

Jeder Anbieter hat Vor- und Nachteile: Mit Car2Go bekommt man am einfachsten einen Parkplatz, Drivenow hat die schönsten Autos, Flinkster ist am günstigsten. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis vor allem für längere Fahrten und Ausflüge bietet Citee Car, ist jedoch im Gegensatz zu Drivenow und Car2Go stationsgebunden.

Bei allen Anbietern ist der Benzinverbrauch Bestandteil des Mietpreises, sollte der Tank einmal leer sein, so liegen Tankkarten im Wagen, um diesen zu tanken. Wer tanken muss, bekommt meist sogar noch Freiminuten zurück. Per App lässt sich das nächste Auto lokalisieren, die MVG bietet zusätzlich seit Neustem den Webdienst „Multimobil“ an, eine Kooperation mit den verschiedenen Carsharing Anbietern in München, um auf einer Karte alle zur Verfügung stehenden Wagen unterschiedlicher Firmen anzuzeigen, inklusive Tankfüllstand und Sauberkeitsindex. Seit einem Monat findet sich diese Funktion auch in der MVG App.

Die blinkenden Kartenleser werden weiter unser Stadtbild prägen, die Auswahl wird steigen und für viele von uns ist durch diese Carsharing Konzepte das eigene Auto kein Thema mehr, denn wenn man eins braucht, ist immer eines in der Nähe. Nur das mit der Parkplatzsuche können diese Konzepte auch noch nicht lösen, aber vielleicht öffnet sich auch hier bald ein weiterer Markt, der Parkplatz-Sharing möglich macht.

Dieser Artikel stammt von unserem Gastblogger Patrick Hösl. Vielen Dank dafür!

Titelbild: ©Drivenow