Das Archiv Geiger

Ein echtes Juwel ist das Archiv Geiger in Solln, ein kleiner Geheimtipp unter den Kunstliebhabern Münchens. Zum ersten Todestag Rupprecht Geigers öffnete es 2010 seine Türen. Das Archiv steht unter der Leitung von Julia Geiger, der Enkelin Rupprecht Geigers, die viele Jahre mit ihm zusammen arbeitete, Ausstellungen plante und ihn bei der Erstellung seines Werkverzeichnisses unterstützte. Neben der Verwaltung des Nachlasses von Rupprecht und Willi Geiger, bietet das Archiv interessante Führungen und Workshops an. Das Münchner Kindl hatte die Möglichkeit, bei der Exklusiven Siebdruckwerkstatt dabei zu sein.

Geiger hat während seines Lebens jeden Tag mehrere Stunden in seinem Atelier verbracht, das von Detlef Schreiber gebaut wurde und bis heute weitestgehend im Originalzustand zu besichtigen ist. Geiger selbst hat Architektur studiert, in der Malerei war er Autodidakt. Neben seinen Gemälden beherbergt das Archiv eine ganze Bandbreite an Geigers Collagen sowie die Farbwerkstatt, in der Geiger seine Farben aufbewahrte und anmischte. Der Atelierraum öffnet sich mit großen Glasfenstern hinaus in den Garten. Geiger, der die Natur liebte, hat selbst sehr viel Zeit im Grünen verbracht und optische Anregungen wie Steine und Holz gesammelt, von denen auch einige ausgestellt sind. Julia Geiger zeigte uns während der Führung durch die Räume einige exemplarische Arbeiten und erläuterte an ihnen Rupprecht Geigers künstlerische Entwicklung: Nach einigen Gouachen im Stil des Surrealismus und Kubismus, trennte er sich 1948/49 von der Form und wendete sich der Abstraktion und besonders der Farbe zu. Die von ihm bevorzugten Tagesleuchtfarben beinhalten besondere Farbmoleküle, welche durch Tageslicht zum Leuchten angeregt werden und damit unglaublich strahlend und kräftig sind.

Nach der spannenden und umfangreichen Führung, fuhren wir Teilnehmer gemeinsam in das Atelier von Ekkeland Götze nach Sendling. Nach einer kleinen Stärkung mit Maccarons in bunten Farben (typisch Geiger 😉 ), erklärte uns Herr Götze die verschiedenen Verfahren des Siebdrucks und plauderte über seine Zusammenarbeit mit Rupprecht Geiger. Das Atelier selbst ist sehr sehenswert, voll mit Kunstwerken von Götze selbst, Katalogen und kleinen Skulpturen – ein Ort, der nur so vor Kreativität sprudelt. Wir Teilnehmer durften auch selbst Hand anlegen und einen eigenen Bogen in Tagesleuchtfarben bedrucken. Was einfach aussieht, erfordert ein hohes Maß an Konzentration und die richtige Mischung aus Druck und Feingefühl, um den Bogen gleichmäßig mit dem Rakel zu bedrucken. Herr Götze gab Tipps und legte auch selbst mit Hand an, um seinen Schützlingen zu einem schönen Bogen zu verhelfen.

In München befinden sich neben den Werken im Lenbachhaus auch viele Arbeiten von Rupprecht Geiger im öffentlichen Raum, darunter am Gasteig, in der TU und am Hauptbahnhof, die man bei einer geführten Fahrradtour erkunden kann. Ab dem Sommer plant das Archiv Geiger eine neue Veranstaltungsreihe, bei der es nach und nach den unglaublich großen Bestand aus dem Depot holen und der Öffentlichkeit zugänglich machen will. Am besten abonniert man den Newsletter des Archivs und bleibt so über Projekte, Führungen und Workshops auf dem Laufenden.

Das Geiger Archiv im Web: Website, Blog und Facebook

Vielen Dank für diesen interessanten Nachmittag – es hat sehr viel Spaß gemacht!