Das Café Lotti und das Frauennetzwerk Lottis Leben

Café Lotti

Heute haben wir eine echte Powerfrau im Interview: Sabrina Lorenz führt mit dem Café Lotti sehr erfolgreich eines der besten Cafés in ganz München und hat vor kurzem das Frauennetzwerk „Lottis Leben“ gegründet, um ihre Kundinnen stärker miteinander zu vernetzen. Uns hat Sabrina erzählt, wie ihr Weg sich entwickelt hat, was ihre Pläne mit „Lottis Leben“ sind und warum sie gerne und ständig arbeitet.

Über Dich?

Ich bin Sabrina Lorenz, 27 Jahre alt und komme ursprünglich aus Amberg in der Oberpfalz. Ich wohne seit September 2009 in München und betreibe das Café Lotti in der Schleißheimerstraße.

Über Dich und München?

Ich wollte schon immer in die Großstadt. Regensburg war mir zu nah an meiner Heimat und da München die größte Stadt in Bayern ist und ich schon oft Urlaub am Tegernsee gemacht habe, wurde es dann München. So bin ich auch „nur“ zwei Stunden von meiner Heimat entfernt. Als ich nach München kam, wusste ich allerdings noch relativ wenig über die Stadt. München ist sehr cool und dadurch, dass so viele Zugereiste hier leben, sind die Leute generell sehr offen. Sie haben Lust, sich auszutauschen und es herrscht meiner Meinung nach viel weniger Neid, als das auf dem Dorf oder in einer Kleinstadt der Fall ist. München ist eine weltoffene Stadt. Zwar ist München ein teures Pflaster, aber gerade deswegen haben die Leute den Willen, hier etwas zu bewegen, da jeder seinen relativ hohen Lebensunterhalt auch erstmal verdienen muss.
In München ist zudem unglaublich viel geboten. Der Urlaub liegt mit Seen und Bergen vor der Tür. Es gibt viele Festivals, Konzerte, Kinos und Theater und dadurch ist sehr viel Leben in der Stadt.

Dein München. Eine Empfehlung?

Ich mag besonders das Uni- und das Glockenbachviertel zum Bummeln und Shoppen. Super ist es auch, sich am Viktualienmarkt in den Biergarten zu setzen, denn dort trifft man immer urige Münchner. Um die Stadt zu erkunden, nimmt man das Fahrrad oder macht eine Segway-Tour. Zum Chillen sollte man sich unbedingt an die Isar in der Nähe der Wittelsbacherbrücke legen und abends einen Salat im Hey Luigi essen – das wäre meine Empfehlung für einen perfekten Tag in München.

Seit 2009 führst du das Café Lotti in der Maxvorstadt. Wie würdest du deinen Weg vom Beginn bis heute beschreiben?

Ich habe vor dem Abitur zwei Jahre im Service gearbeitet und wollte schon immer ein eigenes Café haben. Als ich nach München kam, hat das mit dem Studium nicht so funktioniert, wie ich wollte und dann haben mein damaliger Freund und ich beschlossen, das Café Lotti aufzumachen. Die Idee entstand im September und am 1. Dezember 2009 haben wir eröffnet. Mein Ziel war es immer, selbstständig und gleichzeitig unabhängig zu sein. Im ersten Jahr habe ich versucht, ein System einzuführen, Personal einzulernen und ich muss sagen, dass ich damals oft auf die Schnauze gefallen bin. 2011 lief dann alles schon besser. 2012 habe ich angefangen, mit einem Mentor zu arbeiten und habe eine Qualitätsverbesserung eingeführt. Ich habe mir jeden Bereich vorgenommen und überlegt, was ich schöner machen und verbessern kann. Damals habe ich begonnen, nicht mehr nur Wirtin oder Gastronomin, sondern Unternehmerin zu sein. Mein persönliches Lebensmotto und auch das meines Unternehmens war schon immer „Leave someone better off than you found them“ und daher stellte ich mir die Frage, wie ich meine Zielgruppe – Frauen zwischen 20 und 45 – noch glücklicher machen, als nur mit meinem Café alleine? Daraus ist 2015 ein Frauennetzwerk entstanden, mit dem wir jetzt 2016 so richtig durchstarten.

Cafe Lotti Schleissheimerstr. 13 Serie Gast und Wirt Foto Ralf Kurse 24.04.2010

Wenn du könntest, würdest du jetzt nochmal etwas anders machen als damals?

Das Café Lotti liegt in einer Seitenstraße und wir wollen auch, dass die Leute gezielt zu uns kommen, aber ich glaube, dass es sicherlich an manchen Tagen einfacher für uns wäre, wenn wir zum Beispiel in der stärker frequentierten Hohenzollernstraße wären. Die Lage ist somit Fluch und Segen zugleich.

Dein ultimativer Tipp für alle, die selbst ein Café eröffnen möchten?

Es reicht auf jeden Fall nicht, nur gerne zu kochen oder zu backen. Man braucht ein gutes Konzept und muss auf Dauer zu einer Marke werden. Das funktioniert nur, wenn man unternehmerisch an das Ganze herangeht, denn ein Café aufmachen kann theoretisch jeder. Viele unterschätzen aber den tatsächlichen Aufwand, der dahintersteckt. Ich würde jedem raten, einen guten Businessplan mit einem durchdachten Konzept aufzusetzen und den Wunsch zu haben, das auch für die nächsten zehn Jahre machen zu wollen.

Das Café Lotti ist ja vor allem bekannt für sein tolles Frühstück. Was hast du denn persönlich am liebsten auf dem Frühstücksteller?

Ich esse morgens gerne Müsli mit Obst oder ein Croissant mit Marmelade – auf jeden Fall eher süß als deftig.

Café Lotti Schleißheimerstraße 2

Du führst ein Café, servierst oft selbst, belegst Abendkurse bei der IHK und studierst Unternehmensführung an der Hochschule. Wie bekommst du das alles unter einen Hut und was hilft dir dabei, abzuschalten?

Ich bin sonntags meistens im Café und arbeite im Service oder hinter der Theke. Unter der Woche mache ich vor allem die Büroarbeit. Für mich war immer wichtig viel Freiheit zu haben, daher habe ich im Lotti ein System entwickelt, durch das jeder Mitarbeiter immer weiß, was er wann und wie zu tun hat. So kann ich theoretisch auch mal ein paar Wochen nicht da sein und weiß, dass meine Mitarbeiter alles im Griff haben. Ich schaffe es mit meiner Mitarbeiterführung, dass ich zwar einen gewissen Rahmen vorgebe, sich meine Angestellten aber darin völlig frei bewegen können. Ich kümmere mich nicht um Bestellungen oder die Wochenkarte, denn hier können sich meine Mitarbeiter kreativ entfalten. Das gibt mir die Freiheit, nicht immer im Café sein zu müssen. Abends habe ich zweimal die Woche Abendschule und dreimal die Woche Uni. Dafür habe ich aber unter der Woche tagsüber Zeit, um zu zirkulieren, zum Beispiel um andere Unternehmer zu treffen, an der Homepage und an den Social Media Kanälen zu arbeiten und die Marke weiterzuentwickeln.
Für mich ist mein Beruf mein Leben, mein Lebensinhalt und meine Berufung und deswegen bin ich jemand, der permanent arbeitet. Aber das macht mir so viel Spaß, dass es nicht direkt Arbeit ist bzw. sich für mich nicht so anfühlt.

Du hast das Frauennetzwerk „Lottis Leben“ ins Leben gerufen. Warum braucht es so ein Frauennetzwerk und wie genau funktioniert es?

Ich selbst habe immer Lust, neue Leute kennenzulernen und möchte gerne Menschen miteinander vernetzen. Es ist schön, neue Events zu entwickeln, um zum Beispiel gemeinsam Boxen oder Stand Up Paddling auszuprobieren oder in einem Kurs zusammen Kekse zu verzieren. Damit möchte ich den Horizont der Mädels erweitern und ihnen Spaß bieten. Bereits die letzten Jahre hatten wir zwar immer schon verschiedene Events, aber es gab nie einen richtigen roten Faden. Jetzt soll es für die Frauen klar sein, was sie regelmäßig erwarten können und das zahlt sich aus. Die Events sind alle sehr schnell ausgebucht und viele Frauen kommen immer wieder. Wir haben den Frauenstammtisch, einen Mutter-Kind-Stammtisch und viele andere Events, mit denen wir unterschiedliche Zielgruppen bedienen. Es entstehen viele gute Gespräche, einige gründen Whatsapp-Gruppen, um in Kontakt zu bleiben und viele treffen sich immer wieder hier. Ab Herbst soll sich das Ganze dann auch auf das Thema Business ausweiten, so dass Themen wie Selbstständigkeit oder Jobperspektiven besprochen werden können.

Cafe Lotti Schleißheimerstraße 3

Wie meldet man sich zu den Events an und was kosten sie?

Wir haben zum Beispiel die Serie „Lotti lädt ein“ mit verschiedenen Vorträgen, bei denen der Eintritt 5 € kostet. Die Stammtische kosten kein Geld und bei den Kursen bieten wir Einsteiger-Varianten zu einem vergünstigten Preis an, damit man in ein Thema reinschnuppern und so auch verschiedene Dinge ausprobieren kann. Dabei ist für mich das Ziel, verschiedene Kooperationspartner zu finden, die mit ihrer Philosophie zu uns passen und mit ihnen auf Dauer gemeinsam etwas aufzubauen.

Wie sieht es aus mit Plänen zur Expansion, vielleicht mit einem zweiten Café Lotti in München?

Das Café Lotti soll erstmal weiterlaufen und ich werde mein Studium und meine Kurse fertigmachen. Ganz neu haben wir bald den „Lotti Bulli“, einen VW-Bus, der im Moment restauriert wird. Diesen möchte ich gerne für Events und Hochzeiten als Proseccobar vermieten. Das Frauennetzwerk soll außerdem weiter wachsen. Nach einer Sommerpause vom 15.7. bis zum 15.9. werden wir im Herbst und Winter mit einem neuen Programm das Business-Thema verstärkt umsetzen. Franchise ist ein Thema, dem gegenüber ich nicht abgeneigt bin – mal sehen, was die Zukunft bringt. Ein persönliches Vorhaben von mir ist es, in Zukunft andere Unternehmer zu coachen und die Erfahrungen, die ich gemacht habe, weiterzugeben.

Liebe Sabrina, vielen lieben Dank für deine Zeit und das spannende Interview!