Der Chinesische Turm

Jedes Münchner Kindl kennt ihn: Im Sommer dort im Biergarten sitzen, die Blaskapelle spielt im Hintergrund und man trinkt eine kühle Maß unter großen Kastanienbäumen. Der Chinesische Turm ist wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen Münchens – aber was hat es damit eigentlich genau auf sich? Das Münchner Kindl erzählt es euch:

Errichtet wurde der 25 Meter hohe Turm 1789/1790 durch den Ingenieur Johann Baptist Lechner. Vorbild war die doppelt so hohe „Große Pagode“ im königlichen Schlossgarten Kew Gardens in London, die sich wiederum an einer Pagode in den Gärten eines chinesischen Kaisers orientierte. Zur Zeit des späten 18. Jahrhunderts war alles Chinesische besonders in Mode und so passte der Chinesische Turm gut in das Konzept eines offenen Volksgartens des Grafen Rumford.

Der Turm in München besteht aus einer fünfgeschossigen Holzkonstruktion mit Schindeldächern und vergoldeten Glocken. Die Glocken dienen in der asiatischen Baukultur der Pagoden übrigens dem Verscheuchen von Vögeln und somit dem Schutz der Bauwerke. In der Biedermeier-Zeit ging es besonders rasant am Chinesischen Turm zu: vor dem Turm war ein Tanzboden ausgelegt und in den ersten Stockwerken wurde Bier ausgeschenkt. Es gab mehrmals wöchentlich Tanzmusik oder Konzerte der Militärkapellen. Mehrmals stand der Turm in Flammen, 1944 brannte er sogar völlig ab und wurde erste 1952 wieder originalgetreu rekonstruiert.

An jedem dritten Sonntag im Juli findet am Chinesischen Turm der Kocherlball statt, eine Tradition der Hausangestellten, Köche und Diener, die sich dort seit 1880 jeden Sonntag vor Beginn der Arbeit zum Tanz verabredeten. Wegen »sittlicher Verfehlungen« wurde der Kocherlball 1904 verboten und 1989 anlässlich der 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens wieder zu neuen Leben erweckt.

Ein Muss für jedes echte Münchner Kindl und jene, die es werden wollen!

Foto: Sven Teschke / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de