Die erste Unpainted Media Art Fair – Ein Rückblick

Gespannt war nicht nur die Münchner Kunstwelt, sondern auch das internationale Publikum auf die bis dato größte Medienkunstmesse in Europa. Der Begriff Medienkunst bezieht sich in erster Linie auf Kunst, die aus Video bzw. anderen „modernen“ oder digitalen Medien entsteht oder sich inhaltlich darauf bezieht. Dieses breite Spektrum der Interpretation zeigt die Unpainted in abwechslungsreicher Präsentation.

Viele Arbeiten haben einen interaktiven Charakter und „funktionieren“ nur durch die Partizipation der Besucher und kommentieren dadurch das Leben in und mit der digitalen Kultur. Dadurch wird die Messe zu einem kleinen Spielplatz und unterscheidet sich so doch sehr stark von anderen klassischen Messen. Neben den deutschen Galerien wie Rüdiger Schöttle, Anita Beckers oder der DAM Gallery haben sich auch internationale Galerien wie Bitforms aus NY oder Steve Turner Contemporary aus Los Angeles eingefunden. In kleinen Kojen im Inneren des Postpalasts, dessen Architektur sehr stimmig für das Messekonzept ist, haben junge Medienkünstler im Projekt LAB 3.0 die Möglichkeit sich und ihre Arbeiten autonom zu präsentieren.

Besonders interessant sind die Arbeiten von Scenocosme aus St. Etienne. Durch das Berühren verschiedener Gegenstände, wie einer Pflanze, eines Holzstücks oder einer Metallkugel werden Töne und Farben erzeugt, unterschiedlich je nach der Größe der Berührungsfläche und der Zahl der partizipierenden Menschen. Die Arbeiten werden also durch Interaktion zu akustischen Objekten transformiert. Das Modelabel Hermès präsentiert auf der Unpainted die interaktive Rauminstallation „8 ties“ von Miguel Chevalier. Anhand der Aufzeichnungen von Bewegungssensoren und Kameras werden die Besucher Teil der Installation und beeinflussen die Töne und Bewegungen der an die Wand geworfenen abstrakten Designs aus der aktuellen Krawattenkollektion des Modehauses. Der zweite Teil der Installation, ein virtuelles Buch, kann im Hermès Shop in der Maximilianstraße betrachtet werden.

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Ein interessanter junger Beitrag ist das „Augmented-Reality Projekt“ der Künstlerin Tamiko Thiel, die mit ihren Arbeiten bereits auf den Biennalen in Venedig und Istanbul zu sehen war. Mit ihrem Projekt entwarf sie eine urbane Zukunftsvision für den Münchner Stadtteil Lehel, in der sie die Frage erforscht, wie die Bürger in 30 Jahren leben möchten. Nach dem Download einer App können die Nutzer bei einem Spaziergang durch das Viertel durch animierte 3D-Objekte und Bilder sowie Textelemente vor Ort eine überlagernde Realitätsebene erleben und damit die Vorstellung einer neuen Wirklichkeit gewinnen. Mehr Informationen zum Projekt gibt es hier.

Die Galerie Carolyn Heinz aus Hamburg zeigt eine Ebene der Medienkunst, die sich auf die klassische Kunstgeschichte bezieht: Ausgangspunkt ist der antike Wandteppich als mediales Repräsentationsmittel und Ausdruck der Macht in der aristokratischen Gesellschaft, den die Künstlerin Margret Eichner durch heutige stereotype Motive aus Politik, Werbung, Comics und der Unterhaltungsindustrie in unsere zeitgemäße mediale Bildsprache übersetzt. Diese zeitgenössischen Wandteppiche hängen an Wänden, die ebenfalls mit einem Kunstwerk überzogen sind. Der Künstler Adi Hoesle hat hier den Wandteppich mit speziellen Computerprogrammen auf seine ästhetische Substanz, den Binär–Code reduziert und führt damit eine erstaunliche abstrakte Schönheit zu Tage.

Die Galerie Charlot aus Paris zeigt eine Gemeinschaftsarbeit der Künstler Christa Sommerer & Laurent Mignonneau: Auf einer alt anmutenden Schreibmaschine entstehen aus den eingetippten Wörtern transformierende Lebewesen, die man, wenn man weiter schreibt, mit den Buchstaben füttern kann.

Einer der renommiertesten Teilnehmer, die bitforms gallery aus New York, greift das aktuelle Thema des 3D-Printing auf, wie es seit einigen Monaten auch im Kunstumfeld verstärkt eingesetzt wird. Eine speziell programmierte Fräße schafft es, aus einem großen Stück Styropor eine beeindruckend präzise Skulptur herauszuschneiden. Zwei Modelle, sowie das Video zum Entstehungsprozess werden auf der Unpainted gezeigt. Die Münchner Galerie Nusser & Baumgart zeigt eine Wort-Licht-Skulptur von Pietro Sanguineti, Rüdiger Schöttle eine Videoarbeit von David Claebourt und Werke von Thomas Ruff.

Dass eine solche Messe in München etabliert wird, ist beim Hauptstandort von Firmen wie Microsoft und Siemens, der tollen Medienkunstsammlung von Ingvild Goetz und der jährlichen Ausrichtung der DLD-Konferenz nur folgerichtig. Insgesamt ein sehr interessantes Messekonzept, das professionell umgesetzt wurde. Ein wenig muss die Unpainted ihr Profil noch schärfen aber dann hat München neben dem voll gepackten Kunstherbst auch ein Datum im Januar, das sich das Münchner Kindl rot im Kalender anmerken muss.

www.unpainted.net

Foto 1 und 2: Das Münchner Kindl