Die Isar als Bühne – Isarsprudel

Heute haben wir Martin Jonas, den Gründer von Isarsprudel, im Interview. Isarsprudel ist ein Tanz- und Performance Festival direkt an der Isar, zwischen Cornelius- und Wittelsbacherbrücke. Von 22. bis 24. August gibt es auch dieses Jahr wieder Einiges zu entdecken! Martin verrät, warum er die Idee zum Isarsprudel hatte und lässt uns hinter die Kulissen der Isar-Bühne blicken. Vorhang auf!

Über Dich?
Vor drei Jahren habe ich die Idee von Isarsprudel an der Isar gefunden und diese zum Leben erweckt. Nebenbei arbeite ich im sozialen Bereich, organisiere und begleite das Programm im Herzkasperlfestzelt auf der Oidn Wiesn und war vier Jahre Leiter des Theaters im Fraunhofer. Derzeit pendele ich zwischen angewandter Kulturarbeit und volkskundlicher Wissenschaft hin und her. Leidenschaftlich suche ich seit Jahren eine günstige Wohnung in Haidhausen und freue mich am Wechsel der Jahreszeiten, über gutes Essen, Musik und Wein.

Über Dich und München?
Eigentlich bin ich aus Pasing. Von daher habe ich ein ambivalentes Verhältnis zu München. Seit dem ich in Wien war und nun seit Jahren in Haidhausen lebe ist es nicht besser geworden. Ich liebe München und ich verzweifle an dieser Stadt, vor allem an den Menschen, die zu reich sind. Ich wünsche mir für diese Stadt, dass sie mal wieder aufblüht und Spannung erzeugt, so wie es wohl vor gut 100 oder 40 Jahren war – Erich Mühsams Tagebücher oder Robert Lemkes Film „Amore“ schaffen ein schönes Bild…

Dein München, eine Empfehlung?
Das Beste an München ist die Nähe zum Himmel und die Nähe zum Wasser. Nehmt Euch ein Bier oder ein Eis, geht durch die Strassen flanieren, in den Englischen Garten, an die Isar oder auf einen Platz, riecht die Blumen schaut in den Himmel und steckt eure Füße in die Isar! Das ist das Schönste! – p.s. schaut einfach nach dem nächsten Erdapfelkassalon auf Facebook – das ist Münchner Leben, so wie ich es mir vorstelle.

Was ist das Isarsprudelfestival?
Das Isarsprudel ist ein Tanz- und Performance Festival im Stadtraum an der Isar, ein Kunstfestival, das nicht kommerziell ist. Die Isar als Stadtraum an sich ist etwas sehr Besonderes, weil sich ihn ihm vieles kreuzt und gleichzeitig passiert. Es handelt sich um einen ökologischen Raum für den Biber, genauso wie um einen Lebens- und Kulturraum für Wanderarbeiter, Obdachlose, Jogger und Hundebesitzer. Dort passiert auch schon viel: Musiker kommen abends an die Isar, es wird jongliert, es gibt Flashmobs und viele, die dort die blaue Stunde verbringen und die Isar genießen. Dinge, die also eh schon an diesem Ort passieren, sollen durch das Isarsprudel noch verstärkt und künstlerisch zu bestimmten Themen vermittelt werden. Dieses Jahr ist unser Thema „Räume_Grenzen“. Stadtpolitisch formuliert heißt das natürlich: Es handelt sich um einen öffentlichen Raum, der zu nutzen ist und an sich schon eine Qualität aufweist, die nicht verändert werden muss. Es braucht dafür also kein Strandcafé, keine Konzertbühne und keinen Würstelstand.

Isarsprudel14_Logo__COPYRIGHT_red_can_company__1406665986_66746Wie kamst du auf die Idee zu dem Festival?
Als ich vor einigen Jahren wieder von Wien nach München kam, sah ich wie die Isar frisch renaturiert worden war. Ich dachte mir, dass auf den entstandenen Bühnen etwas stattfinden könnte, dass die Situation vor Ort verstärkt und reflektiert. An der Isar generell findet sehr viel „Bühnenspiel“ statt: Typisch München kann man leicht sagen, das Prinzip des Sehens und Gesehen Werdens passt hier sehr gut. Die Isar ist quasi eine Münchner Bühne, bei der Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammenkommen. Als ich die Location sah, war mit klar, dass hier etwas passieren musste. Ich hatte Festivals in Zürich und Wien gesehen, die im freien und urbanen Raum stattgefunden haben. Etwas Vergleichbares konnte ich mir auch gut für München vorstellen.

Seit wann gibt es das Festival und wer arbeitet mit?
Das Festival gibt es seit 2012. Die Organisatoren und Beteiligten haben sich seither verändert, was wahrscheinlich normal ist. Es gibt zwei Kernbeteiligte: Anna Stoffregen und ich, wobei Anna inzwischen in Münster lebt und mich von dort unterstützt. Anna und das Team vom i-camp waren auch diejenigen, die mir sehr geholfen haben das Kind – das Isarsprudel – auf die Welt zu bringen. Letztes Jahr waren Johanna Platter und Johanna Miller mit dabei. Zu Anna Stoffregen, Johanna Platter und mir ist heuer noch Katrin Dengler dazu gekommen und wie jedes Jahr die Jungs vom i-camp. Natürlich gibt es aber auch noch weitere Helfer, die sich um vor Ort um unsere Besucher oder die Teilnehmer kümmern.

Trotzdem braucht ihr sicherlich Genehmigungen von der Stadt. War es kompliziert das Isarsprudel Festival genehmigt zu bekommen?
Nein gar nicht! Ich glaube, ich habe generell ein gutes Verhältnis zur Stadtverwaltung. Die unterschiedlichen Behörden mit Ihren Mitarbeitern haben mich gut unterstützt. Gemeinsam fanden wir einen Weg, wie die Idee umgesetzt werden konnte. Natürlich ist das ein Prozess, aber ich habe nur freundliche und zuvorkommende Menschen erlebt. Natürlich war es hilfreich, dass das Isarsprudel Festival nicht kommerziell ist.

Empfiehlst du also auch allen anderen Münchner, sich etwas zu trauen, etwas Neues auf die Beine zu stellen?
Absolut! Der öffentliche Raum soll von allen Bürgern genutzt werden! Ich erinnere mich zum Beispiel an die Klaviere im Stadtraum letztes Jahr. (Play me I’m yours, Anm. d. Redaktion)

Isarsprudel14__d_isar_duurab__FOTO___Frederike_Dengler_002__1406669425_10614

Dieses Jahr ist der Titel „Räume_Grenzen“. Kannst du darüber etwas erzählen?
An der Isar kommen alle Menschen zusammen und haben untereinander entweder Kontakt oder nicht. In der Soziologie gibt es eine Idee, dass Räume dann entstehen, wenn Menschen, Tiere oder Objekte zusammen in Relation stehen. Raum ist relational – durch Beziehung entsteht Raum. Der gedankliche Aufhänger beschäftigt sich also mit den Räumen, die sich an der Isar konstituieren – dieser Aufhänger wurde ausgeschrieben und an Akademien, Tanzhäuser, Schulen etc. verschickt. Wir wählten unter den anschließenden Bewerbungen die Teilnehmer aus.

Was war das Thema des letzten Jahres?
„Überschwemmungsgebiet“ war der Titel. De facto handelt es sich bei der Location des Festivals auch um ein Überschwemmungsgebiet der Isar. Im übertragenen Sinne ist ein Gebiet nach einer Überschwemmung immer verändert. Altes wird fortgerissen und Neues kann entstehen, weil der Boden fruchtbar geworden ist. Dies kann auch soziokulturell gesehen werden: Immer mehr neue Leute kommen nach München und verändern das Stadtbild. Natürlich hat das auch negative Aspekte, wie steigende Mieten oder die Verdrängung von anderen Leuten. Dieses Wechselspiel wurde letztes Jahr durch das Isarsprudel Festival aufgegriffen.

Welche Teilnehmer gibt es dieses Jahr?
Einzelpersonen und Kompanien, die künstlerisch, tänzerisch oder performativ auf das Thema reagieren. Leider sind wir immer von unserem Budget abhängig. Wir konnten 11 Teilnehmern für dieses Jahr fest zusagen. Diese könnt ihr auch schon auf unserer Homepage sehen.

Sponsoren und Partner. Welchen Hürden gibt es hierbei für euch?
Das Festival gibt es seit drei Jahren. Im ersten Jahr habe ich es komplett aus eigener Tasche finanziert. Inzwischen haben wir Förderer, Partner und Sponsoren, so dass ich nun nichts mehr draufzahle. Wir würden gern noch mehr Förderer und Sponsoren gewinnen, aber unser Problem hierbei ist, dass wir außer Aufmerksamkeit über Print und Online Medien unseren Sponsoren nichts bieten können. Es ist ein Kunstfestival und keine im weitesten Sinn kulturelle Veranstaltung bei der Werbemittel verteilt oder etwas verkauft werden kann. Das Festival ist bewusst niederschwellig angelegt. Wir verlangen keinen Eintritt. Es soll eben jeder selbst entdecken, was geboten ist und nicht exklusiv vorgestellt und geführt werden. Unsere bisherigen Sponsoren sind auf unserer Homepage zu finden. Für deren Vertrauen bin ich sehr dankbar! Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet auf unserer Homepage auch meinen Kontakt.

Isarsprudel14__Golic__FOTO_Reinhard_Oefele__002__1406665653_71492Was erwartet den Besucher?
Den Besucher erwartet zunächst „nur“ der Raum zwischen Cornelius- und Wittelsbacherbrücke in all seinen Facetten. In diesem Raum, der durchlaufen, durchradelt oder durchschwommen werden kann, kann er Künstler, Tänzer und Performer finden. Der Besucher kann entdecken, anschauen oder teilnehmen. Uns ist der Raum zwischen den beiden Brücken wichtig. Über die Raumwahrnehmung als FestivalbesucherInnen kann der Raum und die darin gesetzten Interventionen der KünstlerInnen immer wieder anders entdeckt werden. Spannend ist, dass nicht nur eingeladene Teilnehmer da sind, sondern auch solche, die einfach auch an der Isar sind. Letztes Jahr gab es eine Kapelle, die alle sehr begeistert hat und von der wir alle im Vorhinein nichts wussten. Am Samstag Abend wird es ein Fest im i-camp geben.

Was wünscht du dir für das Festival dieses Jahr?
Keinen Regen, viele Besucher und dass sich alle Teilnehmer untereinander als Team gut verstehen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Isarspudel Festival sich gut entwickelt. Daher wird es in Zukunft alle zwei Jahre stattfinden. Außerdem wäre es toll, wenn das Festival etwas aus der Stadt hinaus wachsen könnte; zum Beispiel mit Vorläufern entlang der Isar, die sich dann am jetzigen Stadtpunkt treffen.

Vielen Dank für das Interview! Isarprudel ist auf Facebook, Twitter und deren Homepage zu finden!

©Reinhard Oefele