Die Münchner Hausberge – Teil 1

Manchmal passieren wunderbare und ganz unverhoffte Dinge: So schrieb uns Michaela vor einiger Zeit eine Nachricht, dass sie gerne für uns ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und schöne Wandertouren auf den Münchner Hausbergen vorzustellen will. Was für eine großartige Idee! Schnell den ersten Artikel lesen und die Wanderschuhe aus dem Schrank holen! 🙂

Die Münchner Hausberge: Das Längental und die Benediktenwand

Servus miteinander,
darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist Michaela, ich bin Mama von drei kleinen Kindern und zusammen mit meinem Mann Tom lebe ich in einem oberbayerischen Wirtshaus am Fuße des Voralpengebirges. Auf meinem Blog schreibe ich über die außergewöhnlichen und alltäglichen Dinge, die uns im Arzbacher Hof begegnen und über die vielen magischen Orte  im wunderschönen Isarwinkel. Heute darf ich euch und „Das Münchner Kindl“auf einen ganz besonderen Berg, der mir unendlich viel bedeutet, mitnehmen: Die Benediktenwand. Ich möchte euch an dieser Stelle nicht alle möglichen Aufstiegswege bis dorthin beschreiben oder gar Höhenmeter-Unterschiede dokumentieren. Viel lieber möchte ich euch davon erzählen, was für eine Schönheit die Wand ausstrahlt, wenn am frühen Morgen die ersten Sonnenstrahlen des Ostens die Felsen beinahe lila färben. Wie es sich anfühlt, im Vorbeigehen das nasse Gras im Tau des Längentals mit den Fingerkuppen zu berühren oder seinen Durst mit frischem Quellwasser direkt aus der kalten Felswand zu löschen.

Die Tour

Aufstieg

Meine Tour beginnt in Arzbach am Wanderparkplatz Richtung Längental. Dort startet man, wenn es auch anfangs steil bergauf geht, erst einmal mit einer gemütlichen Wanderung vorbei an der Kirchsteinhütte, weiter zur ebenfalls bewirteten hinteren Längental-Alm (Seiboldsalm). Die Kuchen dort sind sensationell und Regina und ihre Familie unfassbar gastfreundschaftlich – wir kommen aber beim Zurückgehen noch mal bei ihr vorbei.

Muenchner_Hauberge_1

Von der Längentalalm beginnt auch der Aufstieg über die Probstalm, eine Alpenvereinshütte in wahrlich prächtiger Lage. Der Weg zum Probstalmkessel verläuft anfangs durch den Wald: Enziane, Dotterblumen und viele bunte Wiesenblumen verzieren den farbenprächtigen Pfad, der immer wieder einmal von einem kleinen Wasserfall unterbrochen wird. (Achtung Trinkflaschen auffüllen! – Letzte Station vor der Tutzinger Hütte)

Nach etwa 1,5 Stunden teilt sich der Weg. Links führt ein Steig direkt zum Brauneck und rechts beginnt der Ostaufstieg der Benediktenwand. Den nimmst du! Wenn du Glück hast, begegnen dir hier oben gerne einmal völlig frei und friedlich lebende Steinböcke. Nicht selten liegen sie unbeeindruckt von den vorüberziehenden Bergsteigern mitten im Weg und man muss regelrecht um sie herum-tänzeln, um vorbei zu kommen! Bald schon kommt die Stelle, an der der Steig mit einem dicken Drahtseil versehen ist. Ohne ihn wäre es wirklich schwierig über das Felsmassiv zu klettern. Aber auch wenn dieser Teil gut gesichert ist und es keine wirklich „kritischen“ Abschnitte gibt, solltest du trotzdem einigermaßen schwindelfrei sein.

Benewand

Oben angekommen

Und dann auf einmal und ganz plötzlich, wenn du das Plateau der ersten Felswand erreicht hat, erstreckt sich vor dir das gesamte Alpenpanorama: Majestätisch, irgendwie magisch und atemberaubend schön! Einmal tief durchgeatmet und dann gehst noch ein kleines Stückerl am Gradl entlang und bald schon siehst du es aus kurzer Entfernung: das Gipfelkreuz der Benediktenwand. Der Ausblick von hier oben lässt mein weiß-blaues Herz als waschechte Arzbacherin und Heimatverliebte, dann doch immer wieder ein kleines bisschen schneller und lauter schlagen. Vor dir erstreckt sich jetzt der gesamte Isarwinkel, der für mich doch so einzigartig und ursprünglich ist: Der Walchensee bis hin zum Starnberger See und bei guter Föhnlage siehst du sogar den Münchner Fernsehturm von hier aus. Gipfelglück pur!

Ausblick von der Benediktenwand

Abstieg

Für den Abstieg würde ich dir den Westabstieg zur Tutzinger Hütte vorschlagen. Einfach weil die Schmankerlkarte vom Hüttenwirt Hans Mayr wirklich keine Wünsche offen lässt und weil die Wand von der Perspektive der Hütte aus am beeindrucktesten wirkt. Von der Tutzinger Hütte führt ein Jägersteig übers Tiefental wieder nach Arzbach zurück. Ab der Tiefental-Alm führt ein weiterer Steig mitten durch den Wald, der teils schon sehr unbefestigt und auch ziemlich versteckt ist. Ein kleines, unscheinbares Schild weist den Weg.  Am allerbesten du fragst sicherheitshalber beim Senner der Tieftalalm nach, der eigentlich die meiste Zeit im Sommer anwesend ist.

Der Steig führt ungefähr zur Höhe der Wasensteiner-Alm, von wo aus wiederum ein Wegweiser weiter nach links runter zum Längental führt und direkt zur hinteren Längentalalm. Du hast es nicht vergessen? Regina und ihr Kuchen! 😉 Das Längental ist meiner Meinung nach wirklich eines der traumhaftesten Täler in den Alpen überhaupt.

Hintere Laengental Alm

Du wirst mir Recht geben, wenn du nur einmal da gewesen bist… und mit allen Münchner Kindl Lesern, die uns im Arzbacher Hof besuchen, trinke ich ein Stamperl hausgemachten Marillenlikör. Ausg’macht!

Geheimtipp

  • Für alle, die noch nicht genug haben von Gipfeln, gibt es noch einen wirklich sehr, sehr schönen, aber nicht so bekannten Gipfel unter der Benediktenwand – den Waxenstein. Die Isarwinkler feiern dort hin und wieder eine Bergmesse. In der Dämmerung wird dabei der ganze Gipfel mit Fackeln beleuchtet. Spirituell und höchst romantisch zugleich. Wie man da hin kommt, frag doch mal Regina…
  • Für Wasserfälle-Fans. Folge einfach immer dem Arzbach am unteren Wanderparkplatz! Immer wieder kommst du auf diesem Weg an erfrischenden Gumpn, wie wir sie nennen, vorbei. Weil es sich hierbei um echtes Bergquellwasser handelt ist die Wassertemperatur selbst in den heißen Sommermonaten immer noch eiskalt.

Übernachtungsmöglichkeiten zur Tour

  • Bei uns auf dem Alpencampingplatz oder unter www.isar-alpen.de.
  • Auf der Kirchsteinhütte: Sehr gute Küche und im Winter als Rodeltipp vormerken.
  • Auf der Tutzinger Hütte: Hierzu noch ein Sommer-Tipp: Der Aufstieg nicht über die Probstwand, sondern direkt über die hintere Längentalalm zur Tutzinger Hütte am späten Nachmittag. Den Sonnenuntergang an der Wand und den klaren Sternenhimmel auf der Liegebank von der Tutzinger Hütte aus genießen und am nächsten Morgen früh ausstehen (Stirnlampe!), um bei Sonnenaufgang auf der Wand zu sein.

Tutzinger Huette (1)

Wie komme ich zum Ausgangspunkt in Arzbach?

  • Mit dem Auto/ Arzbach liegt zwischen Bad Tölz und Lenggries. Um zum Wanderparkplatz zu kommen, fährst du die Längentalstrasse (bei der Arzbacher Kirche) ungefähr 1,5 km entlang. Bis zu ihrem Ende, dann über die Brücke und den Schotterweg weiterfahren bis zum Wanderparkplatz. (vor der Schranke!)
  • Mit der BOB Richtung Lenggries fahren und in Obergries aussteigen. In Fahrtrichtung München nach rechts bis zur Unterführung und dort durchgehen und über die Isarbrücke nach Arzbach. Von da aus siehst du schon den Kirchturm, an dem auch die Längentalstraße vorbei führt. (Weg wie oben)
  • Tipp: Wer noch mehr wandern will, kann auch ab München den Isarradwanderweg zu Fuß bis nach Arzbach gehen!

Nicht vergessen!

  • Feste Schuhe für einen guten Halt, Sonnenschutz und Hut, Regencape, Wechsel T-Shirt, Getränke und Brotzeit, Geld für d’Hüttn, Kamera und mindestens einen Tag Zeit! Mehr brauchst ned… (auf Nummer sicher: Blasenpflaster, Handy, Wanderkarte)

Liebe Michaela, danke für diesen wunderbaren Artikel! Unsere Wanderschuhe stehen bereit und wir freuen uns schon darauf, mit dir den ein oder anderen Marillenlikör zu trinken 🙂

© Text und Bilder: Michaela Linke

Schlagworte