Die Münchner Hausberge Teil 2 – Schneeschuhwanderung – Traumtour

Schneeschuhwanderung

Schneeschuhwanderung – Traumtour über den Seufzer Weg auf das Brauneck

Liebt ihr den Winter auch so wie ich? Ich meine richtigen Winter: Wenn dicke Schneeflocken vom Himmel fallen, es eiskalt draußen wird und der Frost im Vorbeigehen zarte Eisblumen an unsere Fenster malt. Hier im Isarwinkel sind wir noch mittendrin in unserem Wintermärchen. Es ist ein bisschen so wie bei einem guten Freund, der als später Gast doch noch unverhofft auf einem Fest auftaucht. Man versucht, die Zeit mit ihm aus vollen Zügen zu genießen, in der Hoffnung er möge es genau so empfinden und man kann ihn noch ein bisschen zum Bleiben überreden.

Und euch, liebe Münchner Kindl Leserinnen und Leser, nehme ich heute auf eine ganz außergewöhnliche Schneeschuh-Wanderung  mit. Auf einen unfassbar schönen Weg, der seinem Namen alle Ehre macht und immer noch als absoluter Geheimtipp durchgeht: Der Wegscheider Seufzer Weg. Warum der so heißt, fragt ihr euch? Dann kommt doch mit…wenn ihr möchtet.

Also, pack mas?

Wir starten am Draxlhang in Wegscheid, gleich hinter Lenggries. Doch anstatt den großen Scharen an Tourengehern und Schneeschuhwanderern neben der Piste zu folgen, gehen wir ein kleines Stück weiter nach links in Richtung Langlaufloipe. Nach etwa 150 Metern biegen wir rechts ab und überqueren eine kleine Brücke direkt in den Wald hinein. Ein Wegweiser zeigt dir die Richtung an und gibt vor etwa 1,5 Stunden bis zur Anderl Alm zu brauchen. Was bei gemütlichem Schritttempo auch ziemlich genau zu trifft.

Gerade im Winter ist dieser Weg so besonders. Und wie das immer ist mit den besonderen Orten – kaum einer weiß überhaupt, dass es sie gibt. An diesem wunderschönen Wintertag sind meine Schwester und ich, bis auf ein paar wenige Tourengeher fast alleine unterwegs. Wir schnallen uns die Schneeschuhe unter die Füße und stapfen los. Unten im Tal ist es neblig, grau und auch ein bisschen düster, was die Stimmung im Wald fast unwirklich erscheinen lässt. Früher hatte man uns Kindern beim Skifahren immer die Geschichte von der Schneehexe erzählt. Die genau an solchen Tagen wie diesen hinter den Bäumen hervor spitzt und ganz schnell wieder dahinter verschwindet, wenn sie meint von einem Skifahrer erkannt worden zu sein.

Bald schon erreichen wir das Steilstück des Weges und staunen wie leicht man doch im Winter mit Schneeschuhen und Steigeisen unterwegs ist. (Wanderstöcke ebenfalls sehr zu empfehlen!) Dieses kleine Stückerl hat es ihn sich. Mit jedem neuen Schritt knirscht der Schnee unter unseren Schuhen, wir atmen ein und wieder aus. Langsam und tief. Der Seufzer Weg eben. Die Sonne blinzelt vorsichtig durch den Hochnebel durch. Hin und wieder fällt Schnee von den Bäumen, der magisch im Licht glitzert. Es ist ganz still um uns herum. Ein paar Meter noch und wir sind über den Wolken. Atemlos und beeindruckt. Immer wieder. Einsam laufen wir an unberührten Schneefelder entlang und können es kaum glauben, wie schön es doch hier oben ist. Fast ein bisschen ehrfürchtig halten wir ein paar Mal an. Uns pressiert‘s ja nicht!

Kurz bevor der Weg leicht nach links seine letzte Kurve zur Anderl Alm einschlägt, machen wir einen kleinen Abstecher rechts durch den Wald zur Florihütte. Die ist momentan nicht bewirtet, aber eignet sich ganz hervorragend für unsere mitgebrachte Brotzeit und eine Flasche Alkoholfreies Paulaner Weißbier, mein persönliches Gipfel-Lieblingsgetränk. Der Ausblick ist grandios. Überragend. Von der Florihütte aus kann man noch bis zum eigentlichen Brauneck-Gipfel wandern und im Panorama Restaurant oder im Gipfelhaus einkehren, die beide sehr zu empfehlen sind.  Dort besteht auch die Möglichkeit mit der Gondel ins Tal zu fahren. Der Skibus pendelt im Winter zwischen Lenggries Bahnhof, Bergbahn und Lenggries Wegscheid hin und her.

Wir haben unseren Zipfel-Bob dabei. Der ist nicht so schnell wie etwa ein Rennschlitten, lässt sich dafür aber problemlos mit den Füßen abbremsen, wenn’s einmal zu flott wird. Nach einer kurzen Brotzeit rodeln wir neben der Skipiste bis zur Anderl Alm. Dort trinken wir noch eine heiße Schoki und essen leckeren Apfelstrudel und Streuselkuchen. Die Wirtsleute der Anderl Alm sind unglaublich gastfreundlich! Wenn du dort vorbei kommst, dann bestelle ihnen doch alle einen schönen Gruß, Jackä, Barbara, Regina…der ganzen Familie Murböck. Wenn dann noch ganz viel Zeit ist, dann leg dich in eine der komfortablen Holzliegen mit Panorama-Blick und trink einen Ramazzotti mit ihnen.  Das war schon immer so. Auf der Anderl Alm trinkt man einen Ramazzotti. Ganz klar. Aussicht auch hier einzigartig.

Das Beste ist es, hinterher mit dem Bob ins Tal zu rodeln. Wie auf allen anderen Wanderwegen ist der Seufzer nicht offiziell als Rodelweg ausgeschildert. Beim Rodeln gilt grundsätzlich immer:  Auf eigene Gefahr!  Wer aber besonders an den Kurven aufpasst, weil hin und wieder auch ein Skidoo diesen Weg nach oben fährt, wird einen Mordsspaß dabei haben! Neben Skifahren die beste Art um ins Tal zurückzukehren!

Am Brauneck herrscht eine sehr enge Hüttendichte und wer immer noch nicht genug davon hat, kann noch zu einem Einkehrschwung im Draxl-Stüberl oder in der Jaudn Hüttn ausholen. Der Skibus fährt auch wieder am nächsten Tag. Oder du übernachtest gleich hier im Isarwinkel. Aber davon erzähle ich dir das nächste Mal.

Vielleicht sehen wir uns ja einmal auf dem Seufzer Weg, auf einer anderen Tour  oder bei uns im Arzbacher Hof. Oder eben virtuell auf meinem Blog. Mein Versprechen, jedem sich bekennenden Münchner Kindl Leser einen Marillenlikör zu spendieren bleibt quasi auf ewig bestehen!

Wenn ihr jetzt Lust auf eine Schneeschuhwanderung bekommen habt, hier noch die wichtigsten Infos im Überblick:

Anreise mit der BOB: Ausstieg am Lenggrieser Bahnhof und den Skibus bis nach Wegscheid nehmen
Anreise mit dem PKW: Durch Lenggries fahren (Landstrasse oder B13) bis zur nächsten Ortschaft Wegscheid. Großer Parkplatz am Draxlhang: www.brauneck-bergbahn.de
Schneeschuhverleih über Schneeschuverleih Oberland oder Sport Sepp 
RVO-Skibus: www.rvo-bus.de/bin/tmt_parser.pl

Vielen lieben Dank, liebe Michaela für diesen spannenden Gastbeitrag!