Fleischberg voraus

Es muss ja nicht immer Mallorca sein. Oder die Adriaküste. Auch in heimischen Gefilden macht sich der Sommer mit seiner schonungslosen Realität breit. An der Isar, im Freibad , im Englischen Garten, am Flaucher oder auch in Nachbars Garten. Alles, was sonst hinter eine paar Lagen Stoff (mehr oder weniger) dekorativ verhüllt bleibt, wird heuer auf dem Silbertablett, äh Handtuch präsentiert. Die nackte Wahrheit. Friss oder stirb. Da hilft nur noch der Sprung ins kühle Nass. Und danach ein Eis. Sommergefühl zum Schlecken gibt ́s übrigens bei Jessas in der Klenzestraße. Oder Pommes Schranke. Der Freibadklassiker, der Kindheitserinnerungen weckt. Der Tomatensaft des Schwimmbads sozusagen. Was der im Flieger verloren hat, hab ich noch nie verstanden. Und folgende Dinge auch nicht.

Dinge, die ich nicht verstehe:

  • warum man sich im Freibad ganz umständlich umzieht, wenn man beim Reinkommen ohnehin an den Umkleiden vorbei kommt
  • warum man sich unmittelbar v o r dem Sprung ins Becken komplett und dick mit Sonnencreme einschmiert
  • warum man langwierig einen Sonnenschirm aufstellt, nur um sich dann daneben (also nicht in den Schatten) zulegen
  • warum sich Leute mit plärrenden Kindern oder pubertierende Jugendliche direkt neben einen legen. Immer.
  • warum Menschen überhaupt immer so nah an andere Menschen ran liegen müssen (ist ja nicht so, dass das Schwimmbad 700000 qm hat)
  • warum man sich prinzipiell immer an der falschen Kasse anstellt
  • warum es Pommes immer erst ab 11 Uhr gibt (sonntags ab 10.30 Uhr)
  • warum die dicksten Menschen die knappste Bademode tragen (darf man das überhaupt sagen, oder ist das schon diskriminierend?)
  • warum das Lieblingseis immer ausverkauft ist
  • warum man in der Mittagshitze in der prallen Sonne joggen geht
  • warum der Ball von spielenden Kindern immer genau auf dem eigenen Handtuch (im besten Fall) oder dem Kopf (im schlechtesten Fall) landet

Hach ja, man muss echt nicht alles verstehen. Ich nippe an meinem kühlen Drink und mir summt die alte Raffaello Werbung durch den Kopf „you leave me speechles“. Wortwörtlich. Prost.

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