Fleißig sind die guten, faul die Bösen.

Fleißig sind die guten, faul die Bösen. Da ist doch was faul! Oder?

Der Koalabär gilt als das trägste Säugetier der Welt. Er schläft 20 Stunden (täglich!) und hängt den Rest des Tages eukalyptusblätterkauend auf Ästen herum. Dagegen wirken selbst Nilpferde agil. Geiles Leben, eigentlich. Oder? Du Faulpelz, heisst es oft, wenn man es sich doch gerade so schön gemütlich gemacht hat. Mit dem Hintern in der Hängematte und dem kühlen Bier in der Hand. Faulpelz. „Der Ausdruck ist seit frühneuhochdeutscher Zeit in Gebrauch und bezeichnete zunächst die Schimmelschicht, die sich auf verfaulten Lebensmitteln bildet; seit dem 17. Jh. wurde es auch auf träge Menschen übertragen“, sagt das Internetz. Uaaah. Nein, das möchte man nun wirklich nicht sein. Der Duden meint „umgangssprachlich, abwerten für sehr fauler Mensch“ und schlägt als Synonym Drückeberger oder Nichtstuer vor.

Warum und wann ist denn Nichtstun zu einem No-Go geworden? In einer Welt, in der Aktionismus zum Must-Have gehört  – darf man sich Faulheit da überhaupt noch erlauben? Ja, sage ich. Früher war nicht immer alles besser, aber in der Antike galt Müßiggang als etwas durchaus Erstrebenswertes. Ja, da war nichts tun ein Distinktionsmerkmal, um sich vom sogenannten Pöbel abzugrenzen. Nun muss man fairerweise eingestehen, dass der Müßiggang nichts, aber auch gar nichts mit der Faulheit an sich zu tun hat. Müßiggänger besuchen Cafés, beobachten Leute und schreiben hier und da etwas Kluges in ein Notizbuch mit Ledereinband. Oder sie besuchen Kunstausstellungen. Oder spielen Geige. Sowas in der Art. Das reine und bloße Nichtstun ist außerhalb von Paris irgendwie nicht en vouge. Schade eigentlich, denn wenn die Leute sagen „guck mal, der Faulpelz“ schwingt doch auch immer ein bisschen Anerkennung oder gar Neid mit. A la „der macht´s richtig“ und man denkt sich leise „während ich hier in meinem Hamsterrad rotiere“. Irgendwie kann der Mensch da nicht aus seiner (faulen?) Haut.

Noch ist aber nicht Hopfen und Malz verloren. Noch ist es nicht zu spät. Wir können den Begriff Faulheit wieder positiv behaften und das Internet revolutionieren. Ha, Duden – Obacht! Wir können faul sein wieder lernen. Es zum Leben erwecken. Das steckt uns als Säugetiere ja quasi in den Genen #itsinyourdna. Nein, wir müssen den Begriff Faulheit nicht meiden wie die Sonne den Sommer 2016. Faul sein ist toll. Faul sein ist gut. Ein Hoch auf das Faulsein.

Hier kommen 7 ultimative Tipps, für ein bisschen mehr Koala-Feeling im Alltag:

1.) Ein Getränk seiner Wahl zur Hand nehmen.

2.) Bequem Hinsetzen. Besser liegen.

3.) Einen Schluck trinken.

4.) Ausatmen.

5.) Lächeln.

6.) Faul sein.

7.) Und das auch einfach mal aushalten.

Cheers!

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