Freifunk – Freies Netz für Alle

Neigt sich, wie gerade jetzt, der Monat wieder ein Mal seinem Ende zu, wird bei vielen von uns nicht nur das Geld knapp. Wir erhalten zusätzlich noch die freundlich formulierte SMS unseres Handy-Anbieters mit der Information, unser Datenvolumen sein nun aufgebraucht; Gnädigerweise dürfen wir nun noch mit geringerer Bandbreite weiter surfen. Also doch wieder ab in die Cafés mit W-LAN, zurück an die Uni oder da hinten in den Starbucks. Für die nächste Zeit zumindest. Es kommen ja wieder bessere Zeiten auf uns zu. Nur noch ein paar Tage durchhalten…

In der Wohnung eines Freundes poppte letztens auf meinem Handy die Info auf, hier stünde ein offenes WLAN zur Verfügung. Mein Traffic war Tags zuvor aufgebraucht, also fragte ich vorsichtig ob es sich hier um eine Art W-LAN Gastzuganges meines Freundes handeln würde, dieser verneinte jedoch. Daraufhin tippte ich auf meinem Display ‚Verbinden‘ und war im Internet, konnte los surfen, whatsappen, snapchatten, instagrammen, über Belangloses zwitschern und mich wieder ‚online‘ fühlen.

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Doch einen faden Beigeschmack hatte das alles schon – wem gehört dieses W-LAN? Ist das sicher? Hört da jemand mit oder werden meine Passwörter ausgelesen? Der W-LAN Name selbst gibt glücklicherweise einen hilfreichen Hinweis und eine erste Anlaufstelle: freifunk-muenchen.de. Die Seite begrüßt den Besucher mit allerlei Informationen über nicht-kommerzielle Netzwerke, besser gesagt, den Aufbau von einem freien und unabhängigem W-LAN-Netz in München. Das wird jetzt sicher so super Nerd-Kram dachte ich, während meine Augen die Website nach weiteren Informationen abtasteten, mich dieses eine Buzzfeed Video auf Facebook dann aber doch mehr interessierte. Für dieses Netz-Ding fehlte mir gerade die Geduld.

Tage später spazierte ich im Park, zückte mein Handy und blickte verwundert auf das Symbol in der Statusleiste welches mir verriet, dass ich mit einem drahtlosen Netzwerk verbunden sei. Eine Wischgeste später erblickte ich in den Einstellungen das verbundene W-LAN Freifunk München – Hier im Park? Einen kurzer Test und es war klar, das hat so seine Richtigkeit, mein Gerät war online. Wie kann das funktionieren? Hier draußen im Freien? Also befasste ich mich intensiver mit der Thematik. So nerdy ist es dann doch nicht, wie hier im Video erklärt wird:

Freifunk ist eine deutschlandweite Initiative mit einer immens wachsenden Community bestehend aus Personen, die ihren Internetanschluss mit anderen teilen möchten. Das war bisher in Deutschland besonders für Privatpersonen schwierig, da die sogenannte Störerhaftung bislang auch bei WLAN greift: Der Anschlussinhaber ist verantwortlich dafür, was andere in seinem Netzwerk treiben. Dumme Sache eigentlich. Hier nutzt die Freifunk-Initiative einen simplen aber unschlagbar effektiven Kniff: Das zusätzliche offene Netzwerk welches man zur Verfügung stellt, ist zum einen komplett vom eigenen Netzwerk getrennt, zum anderen wird der komplette Internetverkehr im freifunk.muenchen.net-Netz über Server im Ausland oder des Fördervereins für freie Netzwerke geleitet. Somit ist der Anschlussinhaber nicht haftbar, da der Internetanbieter selbst den Datenverkehr nicht mitlesen kann. Dieser Traffic ist demnach verschlüsselt und verschafft zudem Anonymität im Netz. Das alles ganz ohne Zensur oder Angabe von persönlichen Daten. Einklinken, Lossurfen – so simpel ist die Idee.

Das noch recht junge Prinzip gibt es inzwischen bundesweit, Hamburg ist mit grob 800 Freifunk-Hotspots schon recht weit, aber München holt deutlich auf, bald werden es 300 Freifunk-Router in der bayerischen Landeshauptstadt sein. Wer wissen möchte wo sich in München und Umgebung ein solches Freifunk Netz befindet, sieht am besten hier nach.

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Das initiale Gedankengut geht jedoch über das reine „Internet-Sharing“ hinaus. Wie auch im obigen Video erklärt können sich Freifunk Router auch untereinander verbinden und so selbst ein Netzwerk bilden. Hat z.B. der Internetprovider meines Nachbars gerade eine Störung und sein Internet geht nicht, aber sein Freifunk-Router und mein Freifunk-Router sind miteinander verbunden, so erhält sein Router den Zugang ins Netz über meinen Router.

Denkt man sich das Ganze nun in groß, über Nachbarn, Wohnungen, Häuser, Wohnanlagen usw. hinaus, kann man in der Theorie ein Netz schaffen welches für alle zur freien Nutzung zur Verfügung steht und quasi nicht abschaltbar ist. Stromausfälle ausgeschlossen, aber da merkt man vermutlich eh schnell, dass andere Dinge wichtiger sind.

Inzwischen steht in meiner Wohnung auch so ein Router von Freifunk für 17 Euro zzgl. grob 4,50€ Stromkosten pro Jahr. Meine frisch eingezogenen Nachbarn, die derzeit noch warten müssen bis ihr neuer Internetanschluss geschalten wird, haben sich schon dafür bedankt! Das Setup selbst habe ich nicht alleine vorgenommen, aber hier hat mir die Community geholfen. Einmal im Monat treffen sie sich und jeder darf vorbei kommen und sich informieren.

Nun am drohenden Monatsende mit meiner gedrosselten Datenverbindung muss ich zwar immer noch überlegen, wo ich den nächsten Hotspot finde, aber es werden täglich mehr Freifunk-Hotspots in München, in meiner Kopf-Kino Vision wird es demnächst vielleicht sogar flächendeckend verfügbar sein, zumindest am Besten immer dort, wo ich mich gerade aufhalte.

Auf Twitter bleibt ihr am einfachsten über Neuigkeiten rund um Freifunk München auf dem Laufenden. Die bundesweite Freifunkinitiative findet ihr außerdem auf Facebook, Youtube und Vimeo.