Heimatliebe

Warum in die Ferne schweifen? Dirndl, Lederhosen und Volksmusik werden von vielen jungen Leuten nicht mehr mit Rentnern, Wärmedecken und Musikantenstadl assoziiert, sondern mit Heimat und das nicht nur zur Wiesnzeit.

Will man das deutsche Wort „Heimat“ in andere Sprachen übersetzen, muss man feststellen, dass eine Eins-zu-eins-Übersetzung nicht möglich ist. Weder das englische „homeland“ und „home country“, noch das italienische, spanische und portugiesische „patria“ trifft die deutsche Bedeutung. Diese Wörter beziehen sich auf die Heimat als das Vaterland, in dem man geboren wurde. Doch Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl, wissen wir von Herbert Grönemeyer. Doch was verbindet Das Münchner Kindl mit „Heimat“? Ich habe bei den drei Kindls mal nachgefragt…

Anita: „Als ich über die Bedeutung des Wortes Heimat für mich grübelte, habe ich versucht, mich an Situationen zu erinnern in denen ich das Gefühl hatte mich auf besondere Weise mit der Stadt verbunden zu fühlen. Eine dieser Situationen war, als ich vor einigen Monaten mit einem Freund früh abends auf der Hackerbrücke saß: Wir waren hoch auf eine Querstrebe geklettert, tranken Bier, sahen den ein- und ausfahrenden Zügen zu und beobachteten den Sonnenuntergang – mein ganz persönlicher Heimatmoment.

Einerseits Heimat durch den Ort – die Hackerbrücke als eines der Wahrzeichen der Stadt, als Verbindung ins Westend und nicht selten zu überqueren wenn man zur Theresienwiese will. Zudem bedeutet sie Freiheit, weil sie durch die darunter verlaufenden Bahngleise Symbol für die Wege in alle Welt ist. Als relativ neuen Knotenpunkt hat man zudem den Busbahnhof direkt um die Ecke – die Welt ist also nur wenige Schritte entfernt. Diese Mischung aus nah und fern ist für mich Heimatgefühl – denn so sagt es auch einer meiner Lieblingskünstler Andreas Chwatal in einer Arbeit: ‚Je weiter wir uns entfernen, desto mehr nach Hause sind wir.‘

Brezn

Nina: „Eine Liebeserklärung an Laugengebäck…

Heimat ist Heimatliebe. Und die Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen: Die Breze ist mein ganz persönliches Sinnbild von Heimat. Egal wie alt man ist und egal wie spät es ist – eine Breze ist für mich der traditionellste Snack, das schnellste Mittagessen und das schönste Frühstück. Schon als Kind gab es Brezen. Ständig und überall. Mal mochte ich die kleinen knusprigen Innenstücke lieber, mal den weißen Teig im Inneren. Mit Butter bestrichen, riesengroß von der Wiesn oder hart vom Vortag – Brezen kann man immer essen!

Gerne spricht man von Heimat, wenn man gerade nicht in der Heimat ist. Stichwort Heimweh. Alle Dinge und Leckereien, die man mit Heimat verbindet, fallen einem dann ein. Eigentlich seltsam, denn bei der Breze funktioniert die Heimatbeziehung auch umgekehrt. Man schätzt eine ofenfrische Breze auch dann, wenn man sie jeden beim Bäcker in der Auslage sieht.“

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Sarah: „Das Lebenselixier am Morgen ….

Schon als kleines Kind liebte ich es, wenn ich morgens von dem Geräusch der Kaffeemühle aufgewacht bin! Der liebliche Duft der braunen Bohne verbreitete sich langsam über die Küche, das Treppenhaus hinauf in mein Zimmer. Es war gleichsam der Moment bei dem sich alle zum Frühstücken versammelten und ein neuer Tag begann. Nachmittags verbreitete sich der gleiche Geruch, verbunden mit dem eines frisch gebackenen Kuchens!

Dieser Geruch, versinnbildlicht Heimat für mich. Nicht nur in meinem Elternhaus, sondern auch bei meinen Großeltern und Geschwistern – eines ist immer gleich: die Art wie der ganz besondere Kaffee zubereitet wird und wie er schmeckt – nach Heimat. Nicht nur meine Familie, auch meine engsten Freunde habe ich angesteckt mit der Liebe zum Kaffee! Nach und nach verbreiten sich bei allen die Bistrokannen und der Geruch von Kaffee. Da wird schon öfter die zweite oder dritte Kanne aufgebrüht. Kein Kaffee schmeckt so gut, wie der Zuhause!“

Ob Bier, Brezn oder Kaffee… (Heimat-)Liebe geht bekanntlich durch den Magen.