Junges Schreibtalent aus München: Simone Bauer

In unserem heutigen Interview stellen wir euch die Autorin Simone Bauer vor. Simone wurde in Regensburg geboren und lebt seit sechs Jahren in München. Ihr Debütroman »Ganz entschieden unentschieden« handelt von der neurotischen Hauptfigur Johanna auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt. In »Isarvorstadt« spielt Charlotte Kleeblatt ein Möchtegern-ItGirl, das in die Münchner Schickeria aufsteigen will und in Simones erstem Sachbuch »Matsch-Memoiren – 33 Festivalgänger erinnern sich an die krasseste Party ihres Lebens« verarbeitet sie ihre Liebe zur Musik. Wir sprachen mit Simone über das Schreiben, die Liebe zu München und sie hat uns verraten, woran sie im Moment arbeitet.

Über Dich?

Ich bin 23, Autorin, Journalistin und professionelles Fangirl.

Über Dich und München?

Ich habe schon Geschichten veröffentlicht, die in Regensburg und Hamburg gespielt haben, aber über München schreibe ich einfach doch am meisten. Dahoam is dahoam!

Dein München. Eine Empfehlung?

Die Indieclubszene. Ich liebe das Atomic Café, das Muffatwerk und das Strom. Ansonsten empfehle ich, viel um den Olympiasee zu radeln oder noch viel mehr Tee im Glockenbachviertel zu trinken.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Mit 14 habe ich angefangen, Geschichten zu schreiben, um Dinge zu verarbeiten, die mir tatsächlich passiert sind. Meine erste Kurzgeschichte habe ich mit 16 veröffentlicht und dann hat es sich nach und nach ergeben, mehr auf Länge zu schreiben. Ich habe dann mehrere Kurzgeschichten-Wettbewerbe gewonnen, der wichtigste war der vom Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. Daraufhin habe ich mit meiner Lektorin immer wieder Ideen ausgetauscht und mit ihr zusammen in Berlin mein erstes eigenes Buch „Ganz entschieden unentschieden“ entwickelt.

Wie gehst du beim Schreiben vor und wie kommst du auf die Inhalte?

Das ist unterschiedlich und kommt ganz auf die Thematik an. Bei »Matsch-Memoiren« beispielsweise ist alles eins zu eins so passiert, wie im Buch beschrieben, Isarvorstadt dagegen ist ein fiktionales Buch. Man ruft beim Schreiben natürlich oft Emotionen ab, wie man sich in traurigen oder lustigen Situationen gefühlt hat, um das dann im Buch besser beschreiben zu können. Bei »Alkoholfrei« und »Ganz entschieden unentschieden« sind die Geschichten eine Mischung zwischen wirklich Passiertem und Fiktionalem. Insgesamt steckt sehr viel von mir selbst in den Büchern, das kann man nicht trennen.

Wie lange schreibst du an einem Buch? Hast du auch mal Schreibblockaden?

Richtige Schreibblockaden habe ich eigentlich nicht, weil ich beruflich und journalistisch auch viel schreiben muss und es dadurch gewohnt bin, aber natürlich schreibt es sich mit Druck schwerer. Manchmal schadet es auch nicht, ein Manuskript oder eine Geschichte mal einige Wochen liegen zu lassen, um wieder einen klaren Blick auf die Dinge zu bekommen. Meistens arbeite ich ein Jahr an einem Buch und bis es dann fertig produziert ist, dauert es nochmal ein Jahr.

Welche Bedeutung hat die Stadt München für deine Bücher?

Es gibt sehr viele schöne Städte, in denen ich mir auch vorstellen könnte zu leben, aber München ist und bleibt meine Nummer eins. Viele, die nicht aus München kommen oder, die gerade hergezogen sind und erst mit der Stadt warm werden müssen, verstehen das nur sehr schwer. Für mich ist München Heimatsgefühl und viel Inspiration für meine Bücher, da viele Dinge hier passiert sind. Zudem ist München so wunderbar abwechslungsreich: Man hat die Berge und die Seen in der Nähe, eine großartige Clubszene und eine innovative Modeszene – man muss nur ein wenig danach suchen. München ist eine spannende und bunte Mischung zwischen Schickeria und alternativer Szene und es macht mir Spaß, diese verschiedenen Szenen im Leben und auch in meinen Büchern zu ergründen.

Wenn du mit einem Buch fertig bist, bist du dann zufrieden oder würdest du im Nachhinein gerne noch Dinge ändern?

Manchmal muss man Kompromisse eingehen zum Beispiel mit dem Lektor. Man weiß genau, welche Kompromisse man gemacht hat und ich kann mit allem leben und lerne dadurch viel für die Zukunft. Solange ich mich für kein Projekt verbiegen muss, bin ich mit allem zufrieden.

Du arbeitest, schreibst, bist auf egoFM zu hören und auf münchen.tv zu sehen. Wie bekommst du alles unter einen Hut?

Organisation ist alles und ich bekomme die wichtigen Freiräume von Kollegen und Vorgesetzten. Ich bin sehr dankbar, dass ich alle diese Dinge, die mir sehr viel Spaß machen, tun kann.

Welches deiner Bücher ist dein heimlicher Liebling?

Eine sehr schwierige Frage, das ist wie bei der Frage nach dem Lieblingskind. Ich denke, dass es mein erstes Buch »Ganz entschieden unentschieden« ist. Die Lektorin und ich haben die Geschichte gemeinsam entwickelt und auf dem Weg gebracht und bis heute bekomme ich dafür immer noch gutes Feedback.

Wie kamst du zu Radio und zum Fernsehen?

Es interessiert mich einfach riesig und leider sind die Print-Medien ja eher das aussterbende Format. Ich habe immer schon gerne moderiert oder Bands interviewt und es würde mich total freuen, in diesem Bereich mehr machen zu können. Man lernt außerdem viel über die Technik und über die Arbeit mit der Stimme. Meine Vorbilder sind Markus Kafka und Sarah Kuttner. Meine Lieblingsradiosendung läuft übrigens sonntags auf radioeins mit Olli Schulz und Jan Böhmermann.

Wie kamst du dazu, über Frankfurt zu schreiben, wie in deinem neuen Buch „Frankfurt Walking“?

Ich reise gerne und bin viel unterwegs und wenn ich schon nicht über München schreibe dann über Orte, an denen ich oft bin und die ich gerne mag. »Frankfurt Walking« ist auch aus einem Wettbewerb heraus entstanden. Und es ist eine sehr schöne Reihe, in der verschiedene Menschen über eine Stadt schreiben. Das Buch ist letzte Woche am 5. Mai erschienen.

An welchem Projekt arbeitest du im Moment?

Mein neues Buch wird eine Geschichte über eine Mädels-WG und das WG-Leben.

Was bringt die Zukunft?

Ich bin offen für alles und gespannt was passiert. Sehr gerne möchte ich in Richtung Radio oder Fernsehen gehen.

Ihr findet Simone auf Twitter oder ihrem Blog bzw. auf der Seite ihres Verlags.

Vielen Dank für das Interview, liebe Simone!

In Zukunft wird Simone für uns eine monatliche Kolumne mit dem Titel »Neulich in …« schreiben. Ihr dürft gespannt sein!