#litmuc17: Literatur feiern in der Panoptikum Festivalbar

Panoptikum Festivalbar 1
Panoptikum Festivalbar 1

Ein Raum, ganz in sattem Schwarz gestaltet, alte, tiefe Samtsessel stehen auf etwas zerschlissenen Teppichen herum, über der Bar glitzert eine Discokugel und lässt Sterne in der Dunkelheit tanzen. Und: allerhand komische Gestalten. Nein, ich spreche nicht von meinem letzten Kneipenbesuch, sondern von einer brandneuen Institution des Literaturfests: Der Panoptikum Festivalbar.

Es ist ein Wachsfigurenkabinett: Aus dem Regal hinter dem Tresen lugen Köpfe neben Spirituosen hervor. Am Eingang des Raums, der normalerweise die Wechselausstellungen des Literaturhauses beherbergt, sitzt ein Harlekin auf einer Mauer und starrt die Besucher mit offenem Mund an. Ein Zirkusdirektor mitsamt Papagei flankiert den Eingangsbereich und eine Wachsbraut schwebt in einem Glaskasten. Alle Figuren und Köpfe dieser „Freak-Show“ sind lebensgroß.

Kopflos genial, schaurig schön

Ein Wachsfigurenkabinett beim Literaturfest? Was in der Beschreibung mehr als skurril wirkt, wenn nicht sogar etwas gruselig, erzeugt eine Stimmung zwischen Zirkus, Kneipe, Kuriositätenschau, Konzertsaal und Tanzcafé. Tiefer im Raum warten ein Holzpodium als Bühne und ein Steinway-Flügel darauf, bespielt zu werden. Übrigens: Auch alle Hobbypianisten dürfen hier in die Tasten hauen. Das besondere Flair dieser Szenerie erinnert im besten Sinne an berühmte literarische Salons des 19. Jahrhunderts und könnte ein genialer Raum der Begegnung werden.

Panoptikum Festivalbar 3

Panoptikum Festivalbar 2

Tagsüber ab 11 Uhr steht er allen offen, die hier bei einem Kaffee in den Büchern des Literaturfests schmökern wollen. Die Bibliothek steht in Holzkisten bereit. Auch Podcasts wie ‚True Stories’ oder auf Screens laufende Filme kann man hier entdecken. Abends ab 21 Uhr verwandelt sich das Panoptikum unter den Blicken der wächsernen Figuren dann in einen Festivaltreff. Mit Barkeeper, von Bahnwärter Thiel & Minna Thiel kongenial ausgewählten Bands wie Cadée oder dem Unterbau Jazz Ensemble und Drinks wie dem eigens gemixten Panoptikum-Cocktail. Der Eintritt: Frei. Könnte lauschig werden. Das Programm läuft vom 16. bis 30. November. Hier reinschauen.

Alles echt, alles Fiktion

Wahrheit und Fiktion geben sich hier die Hand, resümiert Doris Dörrie das übergreifende Konzept bei der Blogger-Preview. Als Kuratorin des ‚forum:autoren’ begleitet die Filmregisseurin das Literaturfest. Wie echt ist die Wirklichkeit im Zeitalter der virtuellen Welt? Wie lässt sich zwischen Fakt, Fake, Fiktion und Realität unterscheiden? Spannende Fragen. Das Literaturfest lotet sie mit zahlreichen autobiografisch motivierten Werken aus. Und während des Fests können sich in der Panoptikum Festivalbar diejenigen begegnen, die all die fiktiven Geschichten aufleben lassen und ihre Wahrheit ergründen wollen –  sie lesen, im Geist mit sich tragen, darüber sprechen und Literatur und Kunst aufleben lassen: Die Leser und Autoren. Auch die Wahrheit verschiedener Medien trifft hier unter dem Vorzeichen des Mottos „Alles echt. Alles Fiktion“ im besten Sinne aufeinander. Das Literaturfest erfindet sich damit ein bisschen neu und öffnet sich hier wirklich allen, die Musik, Kultur und Literatur frönen wollen – Jung und Alt, Produzenten und Rezipienten, Musik- und Filmliebhabern und natürlich Leseratten. Ein Fest wird zum echten Festival – wir sagen: weiter so!

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Ein Fest, viele Highlights

Beim ‚forum:autoren’ stehen unter anderem sechs Dokumentarfilme und Mockumentarys auf dem Programm, die Autoren der Lesungen im Literaturhaus und auf der 58. Münchner Bücherschau geben Kostproben ihrer oft biografisch motivierten Werke. Das Programm der #litmuc17 lässt kaum Wünsche offen, auch für ein junges Publikum: Filme lesen lernen, große Literatur erleben, Graphic Novel-Zeichnern auf die Finger schauen, selbst Kreatives zu Papier bringen oder gediegen feiern. Das alles geht hier. Ganz oben auf unserer Liste stehen diese Veranstaltungen:

Mittwoch, 22. November, 18:30 Uhr, Literaturhaus: Graphic Novel-Abend mit  Barbara Yelin und ihrem preisgekrönten und  vom Leben ihrer Großmutter inspirierten Comicroman ‚Irmina’, Paco Roa mit ‚La Casa’ und Hamid Sulaiman mit ‚Freedom Hospital’. Absolut sehenswert: Die Künstler zeichnen auch live!

Dienstag, 28. November, 20 Uhr, Literaturhaus: Lesung mit Colson Whitehead, dem Pulitzerpreisträger 2017. Sein Roman ‚Underground Railroad‘ um eine schwarze Sklavin und die Suche nach Freiheit brachte ihm nicht nur den Durchbruch, sondern steht auch seit Monaten auf der Bestsellerliste der New York Times. Wir sagen: Große Literatur. Unbedingt hingehen und lesen.

Freitag, 1. Dezember, 20 Uhr, LMU, Große Aula: Salman Rushdie liest aus ‚Golden House‘, DER literarischen Satire auf das dem Amerika unserer Zeit. Denn wen verkörpert wohl die dekadente und narzisstische Hauptfigur Nero Golden? Findet es heraus …

Freitag, 1. Dezember, 20 Uhr, Wintergarten von PricewaterhouseCoopers: Live-Poetry mit Poetry-Slammer Bas Böttcher ‚Die verkuppelten Worte‘. Für alle Freunde von Wort- und Sprachspielen.

Samstag, 2. Dezember, 19 Uhr, The Lovelace: ‚Saturday Night Show‘ Indie-Party. Mit Büchern von Zeit-Kolumnist Stephan Porombka, dem Verleger des Verbrecher Verlags Jörg Sundermeier und seiner Autorin Jovana Reisinger. Außerdem wird es musikalisch: Es spielt unter anderem die Lovelace Hotel Band. Nebenbei: Den Pop-up Hotspot Münchens erkunden!

Sonntag, 3. Dezember, 10:30 – 13:30 Uhr, Gasteig: Zum Abschluss des Literaturfests heißt es ran an die Stifte – beim Schreibworkshop ‚Schreiben, bis die Sätze tanzen‘. Na dann: Werdet kreativ und entdeckt euer Schreibtalent.

Alle Bilder: © Catherina Hess