Mein Viertel – Trudering

Heute ist mal wieder Zeit für eine Viertelvorstellung. Diesmal geht es ein wenig aus der Innenstadt raus und Daniela Köster gewährt uns Einblicke in ihr Trudering und erzählt, warum das Viertel boomt, wo sie am liebsten essen geht und was für sie das besondere Flair des Viertels ausmacht.

Über Dich?

Reiseverrückt. Verliebt in Afrika und den Indischen Ozean, fasziniert von Hongkong und Singapur. Leidenschaftlich gern in den Bergen – egal ob beim Wandern oder Skifahren.  Oft mit einem Buch in der Hand anzutreffen. Wenn Fernsehen, dann am liebsten englische Serien á la Downton Abbey. Seit über 25 Jahren Vegetarierin. Mit einer Schwäche für schöne Bars.

Ich habe das große Glück, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Ich arbeite in der Reisebranche und habe mir im vorigen Jahr den Traum vom eigenen Reiseveranstalter erfüllt, Genuss Touren. Ich stelle individuelle Reisen nach Afrika, in den Indischen Ozean, aber auch kleine Wochenendfluchten – Genuss Momente – zusammen.

Daniela Köster

Über Dich und Dein Viertel?

Vor sieben Jahren bin ich nach München gezogen. Schwabing oder Schwanthaler Höhe, habe ich damals gedacht, Bogenhausen oder Gern – auf jeden Fall mittendrin. Bis ich an einem späten Augusttag in eine Wohnung in Waldtrudering gekommen bin. Beim Blick aus dem Fenster habe ich auf die hohen Bäume und die kleine Kirche im Abendsonnenlicht geschaut – und hatte sofort das Gefühl, angekommen zu sein. Es hält an. Wenn mich die Sehnsucht nach mehr Stadt überkommt, bin ich in 20 Minuten am Odeonsplatz – wenn ich in die Natur möchte, bin ich in fünf Minuten im Wald. Das einzige, was mir für das perfekte Trudering-Glück fehlt, ist eine gute Bar.

Das Flair?

Outback, Neureichen-Viertel, wilder Osten – Trudering klingt für viele nicht gerade sexy. Für mich ist es der absolute Wohlfühlstadtteil. Keine anonyme Schlafstadt, kein Hipsterviertel. Unaufgeregt, gewachsen. Kleine Einfamilienhäuser stehen im Schatten riesiger Bäume. Es gibt noch richtige Tante Emma Läden, Bäckereien, die keiner Kette angehören und Obst- und Gemüsehändler. Jeden Freitag findet ein kleiner Markt statt. Für den großen Alfons war kein Platz – er musste sich der Eisinsel geschlagen geben. Doch dazu später mehr.

Natürlich gewachsen ist Trudering, aber auch stark am Wachsen. Es boomt. Wo eben noch kleine Gärten waren, steht nun ein Supermarkt, das 50er Jahre Haus weicht zwei Einfamilienhäusern, die alte Baumschule dem Parc Paradise. Ich sehe es mit einer Mischung aus Stolz und Bedauern. Mein Trudering ist „in“ – doch die Kleinteiligkeit leidet ein wenig.

Trudering - Franziskanergarten (1)

Trudering - Der kleine Laden (4)

Dein Viertel. Empfehlungen?

Bars, in denen sich hippe Mütter nachmittags treffen oder smarte Bänker (innen) abends, sucht man vergeblich. Dafür gibt es ein paar kleine, feine Restaurants und authentische Gasthäuser. Mein Lieblingsitaliener ist das Antica Cantina. Ein größeres  Wohnzimmer mit dicht gestellten Tischen. Es gibt feine Fisch- und Fleischspezialitäten (schwärmen die Freunde) und sehr leckere Pizza. Ein knusprig dünner Teig, ein dickerer Rand, der weit über den Teller reicht und üppig belegt. Vorher unbedingt reservieren – es ist eigentlich immer voll.

Antiqua_cantinaDas Eltern-oder-Gäste-zu-Besuch-Restaurant ist der Obermaier. Schon Ludwig Thoma hat hier 1850 gegessen. Es hat eine gemütlich-bayrische, aber nicht kitschig-trachtige Atmosphäre. Das Essen ist eher bayrisch, aber auch Vegetarier und Zöliakier finden etwas. Meine kanadische Freundin war im Himmel, als sie nach fünf Jahren in Deutschland das erste Mal wieder ein glutenfreies Schnitzel essen konnte.

Trudering - Obermaier (2)

In der Biergarten-Saison ist die Standardfrage Lindengarten oder Franziskaner. Der Lindengarten hat einen schönen  – Lindengarten – mehr Restaurant als Biergarten.  Der Franziskaner ist einer der besten  Biergärten der Stadt. Keine Touristen, dafür gute Küche – von geräucherten Fischen über Haxen bis hin zu den Biergartenklassikern. Die Potatoe Wedges mit Avocado-Dip sind sensationell.

Trudering - Franziskanergarten (3)

Trudering - Franziskanergarten (4)

Im Sommer geht kein Weg an der Eisinsel vorbei. Vor dem Stand stehen meist zwei lange Schlangen, daneben ist eine immer volle Terrasse unter schattigen Sonnenschirmen. Es gibt fast jeden Tag andere Eissorten – alles ist frisch und selbstgemacht. Zum Glück ist meine Lieblingssorte, das Whisky-Eis, immer dabei.

Wenns nicht so weit sein soll in die Natur, geh ich gerne im Truderinger Wald oder im Keferloher Forst spazieren oder radeln. Im Landschaftsschutzgebiet gibt es schöne Waldwege – und als Ziel die winzigen Orte Solalinden und Keferloh, die ganz wie es sich gehört, neben einer Kapelle auch eine Wirtschaft haben.

Trudering - Truderinger Wald

Vielen Dank liebe Daniela für dieses Einblicke in dein Viertel!