Michael Wiethaus alias Der Mixen

Kreative Potentiale gibt es in München viele. Heute stellen wir euch mit Michael Wiethaus, in der Szene besser bekannt als „Mixen“, jemanden vor, der in der Szene bekannt ist, wie ein bunter Hund und mit seinen bayerischen Sprüchen auf Plakaten mittlerweile einige Wohnungswände in München schmückt, so zum Glück auch meine.

Über Dich?

Ich bin Michael „Mixen“ Wiethaus und 32 Jahre alt. Ursprünglich komme ich aus einem Kaff in der Nähe von Markt Schwaben, aber eigentlich bin ich schon immer mehr in der Stadt unterwegs gewesen. Ich habe eine Ausbildung zum Energieelektroniker bei der S-Bahn München gemacht, mein Fachabi nachgeholt, Landschaftsarchitektur studiert, verkackt und dann Grafikdesign an der Ifog Akademie im Abendsemester studiert, sowie parallel als Grafiker bei Piranha Media gearbeitet. Zwischendrin habe ich immer in der elterlichen Gärtnerei gearbeitet, bis ich vor 11 Jahren angefangen habe, in Skateshops in München zu arbeiten. Jetzt bin ich freier Grafiker, Dozent an der Ifog Akademie und bin für den visuellen Auftritt vom SHRN – Skateshop zuständig, wo ich auch zweimal die Woche hinterm Tresen stehe. 

Über Dich und München?

Wie gesagt, ich bin auf dem Land groß geworden, aber so mit 14 hat es mich dann immer mehr in die Stadt gezogen. Irgendwie hat es mich auch noch nie aus München weg bewegt. Ich bin gern unterwegs und fahr auch ab und an weg, aber ich freue mich immer, wenn ich wieder daheim bin. Ich bin tief mit der Stadt verwurzelt aber will jetzt nicht sagen, dass ich für immer hier bleibe. Mal schauen.

Dein München. Eine Empfehlung?

Nachdem Robinson ja auch einer meiner Bosse bei SHRN ist, bin ich natürlich auch gerne und oft in seiner Bar. Ansonsten gehe ich gerne ins Nage & Sauge oder ins Luigi. Am liebsten esse ich aber in einer der kleinen asiatischen Garküchen bei mir in der Maxvorstadt. Ansonsten schau ich auch gerne in die Läden von Freunden, wenn ich frei habe, wie zum Beispiel in den Bean Store oder zu A Kind Of Guise, Tint oder zu uns in den Shop zum Ratschen. To Do: Bei uns in der Klenzestr. einen Kaffee und Gebäck bei Emilo holen und dann zu uns zu SHRN gehen. 

Mixen_Portraet

Seit wann machst du deine Zeichnungen mit bayerischen Sprüchen wie „Der Butter“ oder „Der ganze Bua ein Depp“ und wie kamst du dazu?

Die Plakate mache ich seit ca. zwei Jahren. Angefangen hab ich über Skype mit einer Freundin von mir aus Holland. Sie war zu der Zeit für ein Praktikum in Berlin und wir waren beide ein bisschen unzufrieden mit unserem Job und haben uns Projekte überlegt, die wir abseits der Arbeit machen könnten. Ich habe ihr davon erzählt, dass ich oft auf bestimmte bayerische Begriffe angesprochen werde und diese übersetzen muss. Die habe ich dann in einem kleinen Buch aufgeschrieben, gescannt und ihr geschickt bzw. auf Facebook gepostet. Die Bilder kamen ganz gut an und ich habe das dann einfach weiter verfolgt. Auf einer Open Door Ausstellung haben wir dann ein bisschen Platz übrig gehabt und ich habe dann spontan die ersten Plakate gemacht. Der Name kam erst später und „der Butter“ ist für mich einfach der repräsentativste Ausdruck. Überall heißt es ja „die Butter“ nur bei uns halt „der Butter“.

Jemand hat mich mal auf meine Plakate angesprochen und meinte „Toll! Endlich jemand der den ganzen depperten Preissen bayerisch beibringt! Und überhaupt nur Deppen laufen in Lederhosn rum, ein echter Münchner macht das nicht…“ usw. Sie meinte, was für ein toller Bayer ich doch wäre. Die Situation war mir sehr unangenehm, weil ich so einen Patriotismus auf keinen Fall unterstützen möchte. Beim Polt hocken auch lauter CSU’ler im Bierzelt und gröhlen vor Lachen, aber so weit bin ich noch nicht. 

Mixen_5

Wo kann man deine Zeichnungen mittlerweile überall bewundern?

Immer dann wenn ich eine Ausstellung habe oder an irgendwelchen Wänden von Freunden, Bekannten und in deren Büros oder Läden. Aktuell hängt ein bemalter Pulli von mir im Akjumii Store in der Reichenbachstraße und Plakate in der Vesperia in der Schmellerstraße. Online natürlich auch, auf dem „der Butter“ Tumblr oder auf meinem Instagram Profil. Seit kurzem hab ich auch mit zwei befreundeten Exil-Bayern (Eva und Fabi von 50cent Illustrations), die jetzt in Berlin leben, das Projekt „derbutterkostfuchzigcents“ ins Leben gerufen, da gibt es seit neuestem auch einen Blog.

Wiethaus_2

Es wird immer mehr Trend, wieder aktiv mit der bayerischen Sprache zu arbeiten. Was denkst du, woran das liegt?

Keine Ahnung ehrlich gesagt. Vielleicht weil in Zeiten, in denen man überallhin reisen und woanders leben kann, jeder ein bisschen Heimat mit sich herumtragen will? Man ist jetzt plötzlich viel stolzer auf seine Stadt, als noch vor ein paar Jahren. Mir geht das ehrlich gesagt bissl auf den Sack. Berlin ist besser als München, München besser als Berlin – was soll das? Aber es stimmt schon, es gibt echt viele Shirts usw. mittlerweile, es bleibt nicht nur bei der Tracht zur Wiesnzeit. Bei mir war es so, dass mir das aufgefallen ist, dass meine Gesprächspartner bestimmte Sachen einfach nicht wussten oder nur noch von ihren Eltern bzw. Großeltern her kannten. Das wollte ich ändern und habe dann quasi den Aufklärer gespielt, ohne die Absicht zu haben, jemals ein Plakat zu verkaufen.

Mixen_12

Als Designer, Fotograf, Teil des Künstlerkollektivs „The Open Door“ und der Skaterszene bist du Teil der Münchner Kreativszene. Wie würdest du diese Szene beschreiben und welche unentdeckten kreativen Potentiale schlummern deiner Meinung nach in einer Stadt wie München?

Wie gesagt, ich bin hier geboren und aufgewachsen und habe nie wo anders gelebt, kenne also auch nichts Anderes. Ich mache einfach das, was ich mache. Um das wirklich objektiv einschätzen zu können, müsste ich eine Weile woanders leben und arbeiten. Die „Szene“ an sich ist so wie die Stadt selbst: Man kennt sich und jeder macht sein Ding oder man kollaboriert miteinander. Ich könnte mir vorstellen, dass es von außen ein bisschen zäh ist, da rein zu kommen. Man muss sich wie in jeder anderen Stadt auch erstmal ein bisschen einfinden, mit ein paar Leuten reden usw.
Die kreativen Potentiale sehe ich darin, dass man es sich hier eigentlich nicht leisten kann, nichts zu tun. München ist teuer, also muss man Geld verdienen. Dadurch ist man ständig in einer Art Bringschuld und muss überlegen, wie man durchkommt. Wo bekomme ich eine günstige Wohnung? Wo gibt es bezahlbare Büros oder Ateliers? Wenn man weiß, wo man suchen muss, geht das schon, und die vielen Off-Locations und Zwischennutzungen zeigen, dass es Raum gibt und sich auch sofort Leute darum kümmern, dass dort etwas passiert. Diesen ständigen Wechsel finde ich ziemlich interessant.

Lieber Mixen, vielen Dank für das Interview!

Mehr über Michael alias „Der Mixen“ findet ihr auch auf seiner Homepage und auf Facebook

© Arbeiten: Der Butter

© Porträt: Raissa Axmann