München. Wo das „U“ für „Unauffindbar“ steht

Wie ist es wohl für jemanden, der noch niemals vorher in München war? Für jemanden, der nicht die schnellste Abkürzung mit dem Fahrrad kennt und in seinem Kopf keine interaktive Stadtkarte mit den schönsten Cafés und Restaurants abrufen kann? Die liebe Johanna aus Stuttgart, die auch einen eigenen Blog hat, war vor zwei Wochen zu Besuch in unserer liebsten Heimatstadt und berichtet euch heute in einer sehr charmanten Kolumne über ihre Erfahrungen als Neuling in München. Ganz zum Schluss verrät sie dann auch, ob sie nochmal nach München kommen würde:

München. Wo das „U“ für „Unauffindbar“ steht

Hallo München. Ähm, ich meine natürlich: Servus München!
Ich muss Dir sagen: Du hast mich ganz schön herausgefordert!
Die Schreiberei trieb mich dazu, 7 Tage in der Stadt der Weißwürschtl mit siaßm Semf und der Brezn zu verbringen. 7 Tage, in denen ich Zeit hatte, München kennen und lieben zu lernen. „7 Tage…das ist eine Menge Zeit“, dachte ich zu Beginn meiner Reise. Ich sollte erst später merken, dass das so nicht stimmte. Von den 7 Tagen durfte ich nämlich gut und gerne 3 volle Tage abziehen. Ja – das entspricht ungefähr der Zeit, die ich damit verbrachte, die Eingänge zur U-Bahn zu finden. „Du, da steht ein riesen „U“ dran“ werden jetzt viele sagen. Haha. Ich kann nicht lachen. Denn in München heißt ein riesiges „U“ lediglich sowas wie „Ey, hallo. Hier ist die U-Bahn. Zumindest irgendwo im Umkreis von geschätzt 10 km. Wo genau? Ja, such doch selber Du Bazi!“ Und ich suchte. Und manchmal wurde ich sogar fündig.
In die Maxvorstadt muss ich, das hatte ich mir sagen lassen! Und ich bin auch wirklich Dankbar für diesen Tipp, der aus „einem wunderbaren Café nach dem anderen“ bestand. Und „da ist alles so voller Leben und tollen Shops“. „1A“ dachte ich, stiefelte zur U-Bahn (den Weg hatte ich mir durch mehrfaches Ablaufen eingeprägt) und stellte mir essenzielle Fragen wie: Wer ist dieser Max? Und wo finde ich diese Vorstadt? Ich hielt einen hektischen Passanten auf und warf ihm zu, wo denn diese Maxvorstadt sei. Der lachte nur ebenso hektisch wie er lief, unterließ es mal lieber, mir bei der Suche zu helfen. Trotz offensichtlicher Eile konnte er es sich dennoch nicht nehmen lassen mir zu erklären, dass ich das ja total unsinnig ausspreche: „Na, die Bedohnung liagt auf der 2. Silbe. Ned der easten!“
Top. Ich wusste also, wo die U-Bahn war (zumindest eine der gefühlt 3000) und, dass die zweite Silbe in MaxVORstadt das wichtigste an dieser MaxVORstadt zu sein scheint.
Trotzdem wollte ich hin und googelte drauf los. Wikipedia war so nett und erklärte mir kurzerhand, dass dieses ominöse Viertel vom Max irgendwo zwischen mehreren Haltestellen liegt. Eine davon war der Königsplatz. „Ja wunderbar“, freute ich mich, denn der lag quasi auf meinem Weg. Bzw. auf der U-Bahn-Strecke, ohne dass ich nochmal umsteigen musste. (Ganz ehrlich, ich bin kein Adrenalin-Junky…Umsteigen…in München…Hahaha).
Meine Theorie, als ich am Königsplatz angekommen war: Ab jetzt begegnen Dir automatisch all die schönen Shops und Cafés, von denen Dir berichtet wurde.
Meine Erkenntnis, nachdem ich bereits eine Viertelstunde umhergewandert bin: Nein. Es begegnet Dir nichts. Nur ein Ägyptisches Museum. Nichts gegen Ägyptische Museen. Aber dort gibt’s kein Frühstück. Und das hatte ich – nachdem ich bereits eine 1,5 Stündige Reise durch München hinter mir hatte – bitter nötig.
Mit heraushängender Zunge, leerem Magen und riesigem Koffein-Verlangen entdeckte ich ein Café und hüpfte hinein. Und siehe da: Ich hatte Glück. Dieses Café (Café Lotti) war ein wunderbares Fleckchen und dort servierte man mir anstandslos mein Frühstück. Obwohl es inzwischen 13.30 Uhr war und um mich herum schon deftiges Mittagessen verspeist wurde.

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Frühstück im Café Lotti und eine Earth Bowl im Café Daddy Longlegs

„Nun ja“ dachte ich mir im Stillen „die anderen werden für Ihr Frühstück sicher nicht erst Stunden umhergewandert sein.“
Aber nicht nur das Café, auch das Wetter in München zeigte sich während meines Aufenthalts von seiner besten Seite. Und so genoss ich die pralle Sonne am Flaucher (finde nur ich, dass das ein komischer Name ist?), verspeiste die wildesten, Gluten-freien Köstlichkeiten, die ich in einer Stadt je finden konnte und erfreute mich an einem Tagesausflug zum Tegernsee, mit Wandern, wandern und nochmal wandern. Und einem Bällchen Eis. Die Wanderei war famos. Vielleicht wegen des Wetters. Vielleicht auch, weil ich – so ganz ohne U-Bahn-Sucherei – ganz entspannt herumschlendern konnte.

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Ausflug an den Tegernsee und Kolumne schreiben im Café Puck

Am letzten Tag meines München-Abstechers ließ ich die Tage nochmal Revue passieren und saß im Biergarten mit meinem Freund Philipp. Er erhob seine Maß zum Anstoßen. Ich tat es ihm gleich und prostete ihm zu, indem ich die Maß mit beiden Händen durch die Luft schwang. „Tse, tse“ schüttelte Philipp den Kopf. „Johanna, eine Maß hält man doch nicht mit 2 Händen!!!“

Und nun, nach meiner Reise, bin ich weiterhin verwirrt. Aber doch etwas schlauer.
Ich weiß jetzt, dass man in München spaßeshalber einfach auf der falschen Silbe betont, weil es dann angeblich besser klingt. Und dass die U-Bahn-Haltestellen die Touristen animieren sollen, die richtige U-Bahn mittels Intuition und selbst angeeigneten Erfahrungswerten zu finden. Ich weiß nun, dass man eine Maß nie mit zwei Händen halten darf, auch wenn man sich dann eine Zerrung im rechten (leider nur schwach ausgeprägten) Bizeps holt.
„Und? Wie war es in München?“ werde ich nach meiner Rückkehr von meinen Mitbewohnern ausgequetscht.
„Es war ziemlich verrückt“, grinse ich.
„Und? Ist das eine Stadt, die zu Dir passt?“, fragen Sie weiter.
Ich überlege.
„Das muss ich noch ein bisschen ausPRObieren“ antworte ich und betone dabei ganz unkorrekt die zweite Silbe.
Fast schon wie ein Münchner.
„Ja, des bassd!“

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Liebe Johanna, vielen Dank für deine lustigen und ehrlichen Worte! Wir würden uns sehr freuen, wenn du bald mal wieder bei uns vorbeischaust!

Alle Bilder © Johanna Böshans