Münchner Kindl

Die Bezeichnung »Münchner Kindl« entstand im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte. Oft wird auch die Figur auf dem Münchner Stadtwappen als Münchner Kindl bezeichnet. Das Wappen zeigt einen nach rechts blickenden Mönch in einer goldgeränderten schwarzen Kutte und roten Schuhen, in der linken Hand ein Buch haltend und die rechte Hand zum Schwur erhoben. Der Mönch im Wappen erinnert an die klösterlichen Anfänge der Stadt und steht zugleich für ihren Namen: „München“. Aus dem erstmals 1239 erwähnten Zeichen wurde im Laufe der Jahrhunderte das „Münchner Kindl“.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde das Stadtwappen von verschiedenen Künstlern inoffiziell verändert. Kurz nach der Wende zum 19. Jahrhundert brach in München buchstäblich eine Münchner Kindl-Manie aus. Die Wappenfigur zierte unzählige Logos. Viele Künstlern zeichneten das Münchner Kindl in Alltagsszenen oft in Verbindung mit Bier und Sehenswürdigkeiten der Stadt München. Diese Aneignung der Wappenfigur, die bis dahin unangetastetes Hoheitszeichen der Stadtgemeinde München war, spricht für die Souveränität der Künstler, aber auch für ihre Identifizierung mit der Stadt. Der Mönch wurde nach und nach immer mehr verkindlicht und letztlich wurde in den 1920er Jahren aus einem Jungen ein Mädchen, das Münchner Kindl. Bis heute ist es dabei geblieben, dass das Münchner Kindl bei seinem Auftreten als Person von einem Mädchen oder einer jungen Frau verkörpert wird, so auch auf dem Einzug der Münchner Wiesnwirte auf dem Oktoberfest, den es auf einem Pferd reitend anführt.

Man findet das Münchner Kindl überall in der Stadt, auf Trambahnwagen, Kanaldeckeln, Postkarten, Bierkrügen, Bierflaschen oder Plakaten. Der 85m hohe Rathausturm wird gekrönt von dem Münchner Kindl, das von Anton Schmid geschaffen wurde. Das heutige offizielle Münchner Kindl, das Wappen der Landeshauptstadt München, ist eine Graphik von Eduard Ege. Zudem wird heute jeder in München Geborene oder dessen Eltern und Großeltern in München geboren wurden, als Münchner Kindl bezeichnet.

Bild: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de