Neulich in … der Kleinstadt

Das Muenchner Kindl

Simone Bauer ist eigentlich ein Regensburger Kindl, lebt aber seit 2007 in der schönsten Stadt der Welt – und schreibt über diese. Wenn sie München nicht gerade in ihre Romane wie „Ganz entschieden unentschieden“ (http://www.dotbooks.de/profile/1250143/simone-bauer) einbaut, ist sie Popkulturjournalistin (für unter anderem MISSY, Jugendseite der „Süddeutschen Zeitung“ und LAXMag) oder bei egoFM „Auf Krawall gebürstet“. Auf Twitter (@teaserette) spricht sie über neue Projekte und Fernsehserien. Für Das Münchner Kindl verfasst sie die Kolumne „Neulich in …“.

„We live in cities you’ll never see on a screen“, singt Lorde in „Team“. Auf München trifft das nicht zu. Gut, bei uns wurde nicht der neue „Hunger Games“-Teil gedreht, aber immerhin der letzte Schweighöfer. Dennoch gibt es immer noch genug Leute, die eigentlich nicht hier sein wollen und uns doch den Mietraum wegnehmen. Wie meine neue Kollegin C. etwa.

Man würde es ihr im ersten Moment nicht ansehen, die H&M Leggings mit Blumenmuster, in der nur eine Size Zero dünn aussieht, das Thomas-Sabo-Kettchen und die Longchamp-Täsch sind jetzt nicht unbedingt Indikatoren dafür, dass sie nicht von hier ist und sich hier auch nicht wohlfühlt. Man merkt es eigentlich erst, wenn sie den Mund aufmacht. Es ist kein Hochdeutsch und es ist auch nicht das Dallmayr-Bayrisch, in das wir alle umschwenken, wenn der Tag lang und das Glas voll war. In diesem, ihr eigenen Slang, schimpft sie dann über München wie ein Rohrspatz, die Preise zu hoch, die U-Bahnen zu schmutzig, überhaupt, im Dorf ist alles schöner, vor allem die Partys auf den Bierbänken stehend. Danach lacht sie immer ein hyänenartiges Lachen, mei, sie is’ halt die Unschuld vom Lande und meint das gar nicht so böse, gell? Doch ihre Augen bestätigen den Großstadthass.

In den Pausen telefoniert sie mit ihrem Freund, der sowieso immer alles besser weiß, vor allem im Fußball, nach der Arbeit saust sie gleich nach Hause. Ich frage mich, wie dieses Leben so ist. Ich könnte nicht mit ihr tauschen und auf Kinoabende am Königsplatz oder Burgeressen in Schwabing verzichten. Auf das pulsierende Leben in Monaco. Immerhin bin ich deswegen auch aus Städten geflohen, die man nie auf den Bildschirmen sieht (und selbst Regensburg sieht man manchmal in Krimiserien und Kunstfilmen). Frei nach Kraftklub, so auf die Allgemeinheit bezogen und nicht auf those who I hold near and dear: „Wenn wir uns nicht nochmal sehen, wünsch’ ich noch ein schönes Leben. Ach, nein, Quatsch, tu’ ich gar nicht, ihr seid Idioten!“

Vielleicht nicht so drastisch. Daher spare ich mir auch die Worte auf ihren Kommentar zum letzten Fußballspiel. Stattdessen nippe ich an meinem Dallmayr-Cappuccino.

Wenn ihr mehr über Simone erfahren wollt, lest unser Interview mit ihr.
Simones weitere Kolumnen findet ihr hier.