Neulich in … der Nähe vom Käferzelt

Das Muenchner Kindl

Simone Bauer ist eigentlich ein Regensburger Kindl, lebt aber seit 2007 in der schönsten Stadt der Welt – und schreibt über diese. Wenn sie München nicht gerade in ihre Romane wie „Ganz entschieden unentschieden“ (http://www.dotbooks.de/profile/1250143/simone-bauer) einbaut, ist sie Popkulturjournalistin (für unter anderem MISSY, Jugendseite der „Süddeutschen Zeitung“ und LAXMag) oder bei egoFM „Auf Krawall gebürstet“. Auf Twitter (@teaserette) spricht sie über neue Projekte und Fernsehserien. Für Das Münchner Kindl verfasst sie die Kolumne „Neulich in …“. Sie hat wahnsinnige Angst vor dem Freefall-Tower auf Lebzeiten.

Vielleicht liegt es ja an den Lebkuchenherzen. Liebe geht doch durch den Magen, oder? An irgendetwas muss es schließlich liegen. Dass so viele Menschen auf dem Oktoberfest anbandeln. So längerfristig. Denn wirkliche Stimmung kommt doch nicht auf – außer Partystimmung, schon klar. Es sind einfach zu viele Menschen auf einem Fleck, als dass eine intime Begegnung möglich wäre. Finde ich. Stehe aber irgendwie alleine mit diesem Gedanken da.

Zugegeben, an und für sich sind Riesenräder sowieso perfekt für erste Dates. Vor allem nachts. Man guckt in den Sternenhimmel, man schwebt hoch über dieser Stadt. Und dann noch der Geruch von gebrannten Mandeln und süßer Zuckerwatte! Himmlisch! Kein Wunder, dass meine Kollegin J. sich da in ihren P. verliebt hat. Das war vor fünf Jahren. Inzwischen sind sie verheiratet. Allerdings: Nichts mit Riesenradromantik. Der tiefe Blick in die Augen des anderen war über das halbe Hendl hinweg geworfen worden, später standen die beiden auf den Bierbänken ganz dicht nebeneinander.

Ich bin noch immer im Zwiespalt, während ich so vor dem Käferzelt stehe und nachgrüble. Meine Begleitungen drängeln sich alle noch durch die vollgepferchten Gänge ins Freie, also warte ich alleine. Es ist kalt, es hat geregnet. Die meisten Zelte sind schon entleert und doch sind die Straßen noch gut bevölkert. Für intime Momente reicht es trotzdem: Gegenüber sehe ich, wie ein Bursche in Lederhose unter dem Dirndlrock seiner, sagen wir mal, Bekannten verschwindet, die gegen einen Zaun lehnt.

Vielleicht liegt es nicht an den Lebkuchenherzen. Sondern am Alkohol.

Unser Interview mit Simone und ihre weiteren monatlichen Kolumnen findet ihr hier.