Neulich in … der Sicherheitszone

Simone Bauer ist eigentlich ein Regensburger Kindl, lebt aber seit 2007 in der schönsten Stadt der Welt – und schreibt über diese. Wenn sie München nicht gerade in ihre Romane wie „Ganz entschieden unentschieden“ (http://www.dotbooks.de/profile/1250143/simone-bauer) einbaut, ist sie Popkulturjournalistin (für unter anderem MISSY, Jugendseite der „Süddeutschen Zeitung“ und LAXMag) oder bei egoFM „Auf Krawall gebürstet“. Auf Twitter (@teaserette) spricht sie über neue Projekte und Fernsehserien. Für Das Münchner Kindl verfasst sie die Kolumne „Neulich in …“. In ihrer Küche trifft man sie eher selten.

Mir war schlecht. Ich habe keine Flugangst – zumindest nicht so schlimm, dass ich schon mal während des Flugs versucht hätte, panisch auszusteigen -, aber mir war schlecht. Schon Tage vor dem Trip hatte ich mit dem Allerwichtigsten begonnen – das war nicht der Abschied vom Englischen Garten oder das Packen meiner sieben Sachen, nein, es war das Leeren des Kühlschranks. Wenn ich zurückkehrte, hatte ich nämlich üblicherweise keine Lust auf angeschimmeltes Gemüse, gekippte Säfte oder Eier, die mir einen unfreiwilligen Gewichtsverlust von fünf Kilo bescherten. Wobei … sollte ich mir ein paar Klamotten in London zu eng shoppen, so hätten sie dann trotzdem eine Chance, getragen zu werden.

Mit ein paar wenigen unbedenklichen Lebensmitteln – Essiggurken, Preiselbeeren, Essiggurken und Essiggurken – war der Kühlschrankinhalt überschaubar geworden und die sieben Sachen waren auch gepackt gewesen. Noch ein letztes Frühstück, dann hatte ich losgewollt, zum Flughafen. Frühstück, das konnte ich gut, vor allem amerikanisch. French Toast, Pancakes und alle Varianten von Eiern waren legendär in meinem Haushalt, sonst schon gar nichts. Die Küche und der Geruch von dampfender Butter – untrennbar. Gerne fettig, hauptsächlich vorzüglich delikat. Also noch schnell eine Runde scrambled eggs und dann nichts wie raus aus dieser Stadt, damit, so wussten schon Madsen, der Wahnsinn ein Ende hat.

Leider hatte ich in meiner Leerungswut übersehen, dass Milch für Rühreier ganz nett gewesen wäre. In einem Anfall geistiger Umnachtung – oder auch bekannt als Hunger – hatte ich zu dem Päckchen Kaffeesahne gegriffen, das ich ebenfalls als unbedenklich verbucht hatte. Ich war mir sicher gewesen – Milch ist gleich Milch ist gleich Milch. Allerdings war das eben Kaffeesahne. Und genau danach hatte das Rührei dann auch geschmeckt. Es gab nicht mal mehr Saft, um den Geschmack zu ertränken … Ich hatte diesen widerlichen Geschmack die ganze Zeit auf der Zunge, sogar noch in der Sicherheitszone des Franz-Josef-Strauß-Airports.

Andererseits – bei so einem Start konnte das bei mir sonst sehr unbeliebte englische Essen ja nur punkten, oder?

Unser Interview mit Simone und ihre weiteren monatlichen Kolumnen findet ihr hier.