Neulich in … der U2

Das Muenchner Kindl

Simone Bauer ist eigentlich ein Regensburger Kindl, lebt aber seit 2007 in der schönsten Stadt der Welt – und schreibt über diese. Wenn sie München nicht gerade in ihre Romane wie „Ganz entschieden unentschieden“ (http://www.dotbooks.de/profile/1250143/simone-bauer) einbaut, ist sie Popkulturjournalistin (für unter anderem MISSY, Jugendseite der „Süddeutschen Zeitung“ und LAXMag) oder bei egoFM „Auf Krawall gebürstet“. Auf Twitter (@teaserette) spricht sie über neue Projekte und Fernsehserien. Für Das Münchner Kindl verfasst sie die Kolumne „Neulich in …“.

Ich meine, ja, ich weiß, Print ist tot und ich habe genug Apps auf dem Handy, um mir die U-Bahn-Zeit zu vertreiben. Aber gleichzeitig lese ich nun mal gerne Zeitung, egal, wie groß und umständlich das im Vergleich ist. Immer öfter bekomme ich dafür irritierte Blicke im öffentlichen Nahverkehr. Aber gleich in mich krachen aus Protest?

Missbilligend sehe ich von meiner Zeitung auf und suche die Mutter des Kindes, das ständig in mich springt, weil es nicht in Ruhe neben mir sitzen kann. Aber der Mutter ist das egal, sie liest nämlich gerade auf ihrem Handy. Ich seufzte, aber auch das ist der Göre egal, die gekleidet ist, als wäre Vivienne Westwood ihre Patentante. Ich habe jetzt nichts per se gegen Kinder. Sie könnten nur einfach alle so sein wie das meiner Kollegin A. Deren Sohn ist nämlich herrlich reizend. Wenn sie sich in ihr ZARA-Kleid wirft, das mit Geparden gemustert ist, sagt er ihr: „Danke, Mama, dass du dieses schöne Kleid angezogen hast.“ A.s Sohn mag nämlich nur Sachen mit gefährlichen Tieren drauf. Auch Unterwäsche darf nicht langweilig sein! Im ersten Moment finde ich noch, wie lustig, wie kommt er darauf? Und dann denke ich schuldbewusst an mein pinkes Leopardenhöschen vom Modeschweden, das ich gerade trage.

Meine gute Freundin Y. findet Baumwollschlüpper mit solchen Motiven übrigens generell nuttig. Aber hey, wenigstens sehe ich nicht aus, als wäre Vivienne Westwood meine Patentante. Beruhigt wende ich mich wieder meiner Zeitung zu und die Göre steigt samt handyglotzender Mutter aus.

Wenn ihr mehr über Simone erfahren wollt, lest unser Interview mit ihr.
Zu ihrer ersten Kolumne geht es hier.