Oipnglügg – Vegane Lederhosen

Die Wiesn rückt so langsam näher und wir haben uns nach Alternativen zum immergleichen Trachtengedöns umgeschaut und mit Oipnglügg die vegane Lederhose entdeckt, die man auch bequem mal unter dem Jahr tragen kann und das auch noch ganz ohne schlechtes Gewissen. Im Interview stellen wir euch vor, wer hinter dieser tollen Idee steckt.

Über Euch?

Ebba: 34 Jahre, Mutter von zwei Kindern und verheiratet mit Geppetto, Mode- und Grafikdesignerin, designinteressiert, braucht den Sport zum Ausgleich (joggen, surfen, Yoga), mag lässige Kleidung mit der kleinen Extra-Coolness

Geppetto: 37 Jahre, Vater von zwei Kindern und verheiratet mit Ebba, Diplom Sportwissenschaftler/Sportökonomie/Management, mehrfacher dt. Meister im Rennrodeln auf der Naturbahn, leidenschaftlicher Surfer/Windsurfer und überhaupt sportlich mit Draht zu Kunst & kreativen Business-Ideen

Über Euch und München?

Ebba: Ich bin mit meinen Eltern und meinen drei Schwestern in Perlach in einem Reihenhaus aufgewachsen. Wirklich kennengelernt hab ich München Stadt erst mit 19 als ich nach vier Jahren Schweden meine Ausbildung anfing. Ich bin viel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen – die schönste Art eine Stadt kennenzulernen.

Geppetto: Ich bin in Schwabing an der Leopoldstrasse aufgewachsen. In der Simmern-Grundschule hab ich mich viel mit anderen Kindern geprügelt. Auf dem Germania Spielplatz hab ich Fusspall gespielt, im Ungererbad hab ich fette Bomben an den Beckenrand platziert, hab Basketball im MTSV-Schwabing gespielt und bin als 10-Jähriger ohne elterliche Erlaubnis soweit mit dem Fahrrad gefahren, dass ich nicht mehr wusste, wie ich nach Hause komme… Auf der Eisbachwelle surfe ich seit meinem 14. Lebensjahr. Meine Augustiner hab ich an der Tankstelle/Ungerersrasse (genannt „blaue Lagune“), in der Schwabinger 7 oder im Abseits genossen. Am Schuttberg/Scheidplatz war ich im Winter, auf der Werneckwiese im Sommer und an der TUM hab ich das studiert was ich immer wollte, Sport.

Euer München. Eine Empfehlung?

Ebba: An der Isar (Reichenbachbrücke) in der Stadt die Natur genießen. Egal ob mit Brotzeit und Kindern oder nach einer durchtanzten Nacht am frühen Morgen.

Geppetto: Schach spielen an der Münchner Freiheit oder mit den Surfdudes am Eisbach dem Easy-Lifestyle frönen – in beiden Fällen befindet man sich ausserhalb des Münchner Schicks aber dafür in einer gesellschaftlichen Charakter-Oase der Stadt 😉

Wie kamt ihr auf die Idee Oipnglügg zu gründen und welche Idee steckt dahinter?

Geppetto: Im Sommer 2011 bin ich nachts sozusagen halb aus dem Bett gefallen und hatte plötzlich die Idee, bayrische Trachtenhosen aus Jeans zu machen. Wir sind eigentlich seit Jahren mit einem komplett anderen Typ von Hose beschäftigt gewesen (Geppebba, drop crotch-Hosen, Anm. d. Redaktion), aber ich spielte tatsächlich auch mit dem Gedanken mir eine Lederhose zu kaufen aber was Gscheits ist halt recht teuer und eine aus pakistanischem Mäuseleder wollte ich intuitiv auf keinen Fall.

Also ist doch klar, wenn wir schon an der Quelle sind, selber Hosen zu machen, wieso nicht aus waschbarem Material?! Eine Sommerhose für ein Schwabinger Kindl sozusagen. Wieso die Leute immer nur zum Oktoberfest die Tracht rauskramen, wenn man damit im Karowald unter den Touris untergeht? In dieser Art waren unsere Gedanken und wieso nicht unsere bayrischen Wurzeln mit dem Stoff verbinden, den fast jeder trägt – Tracht, das ist der Ausdruck für Kleidung, die man jeden Tag anzieht und das ist Jeans heute. Jeans oder Denim hat als Arbeiterstoff und dem schönen Alterungsprozess sehr ähnliche Charaktereigenschaften wie Leder. Das war die Idee, mit der wir in das Trachtenthema eingestiegen sind und hinzu kam natürlich, dass ein paar vegane Freunde von mir auf Facebook immer wieder Postings zu dem Thema gemacht haben, was natürlich gleich einen weiteren Aspekt eröffnete.

Aber wir möchten auch ehrlich sagen, dass wir nicht die Ersten sind mit dieser Idee – die Idee, für eine bayrische Trachtenhose ein anderes Material zu verwenden als Leder, ist wahrscheinlich schon uralt. Sowieso ist der Latzverschluss eine spätmittelalterliche Verschlusslösung, die in Europa überall verbreitet war und das für unterschiedliche Hosenmaterialien. Also, auch wenn wir da jetzt eine Idee hatten, müsste man nur mal in der Modegeschichte stöbern, um auf coole Sachen zu kommen und dann erscheint auch die bayerische Lederhose auf einmal wie ein neumodisches Phänomen.

Wie wichtig ist der vegane Aspekt bei euren Lederhosen?

Tierschutz ist Etwas, das auch Nicht-Veganer umgesetzt sehen wollen. Aus irgendeinem Grund scheint das für den bayrischen Polizeistaat aber nicht so umsetzbar zu sein wie Verkehrskontrollen und als Wahlthema reicht es anscheinend leider auch nicht. Wenn man sich aber fragt, warum dieser Ernährungsstil so viele Leute erreicht hat – dann kommt man auf ein paar handfeste Antworten. Bei dem Lederhosengeschäft will kein Käufer ernsthaft wissen, wie so eine 150 € oder sogar 80 € Lederhose möglich ist. Das Thema existiert auf Oktoberfestebene heutzutage quasi nicht und wir haben uns natürlich damit beschäftigt. Dass diese Teile natürlich nur einen vergleichsweise niedrigen Spirit haben, merkt man und das ist auch jedem Trachtler klar – aber wir denken, dass diese Einwegprodukte für ein Wochenende auf der Wiesn in keinem Verhältnis zu der Produktionsbilanz stehen. Das ist also tatsächlich eine Sinnfrage und da kann uns der Lederhosen-Online-Händler noch so versichern, dass er selber nach Asien oder Osteuropa fährt und sich sein Bild davon macht – wir haben genug Videos und Berichte gesehen, Infos gesammelt und das reicht eigentlich, um skeptisch gegenüber Beschwichtigungen zu sein.

Für uns soll der vegane Aspekt aber nicht der vermarktungstechnische sein. Es würde uns genügen wenn man weiß, dass es uns und diese geilen Hosen gibt. Wir wollen prinzipiell coole Kleidung machen, echte Produkte, die lange halten, die durchdacht sind und vor allem in der Zukunft auch als Klassiker durchgehen können.

Mit welchen Motiven bestickt ihr eure „Lederhosen“?

Angefangen haben wir mit der „Goldader“ – das Motiv sollte die Goldsuche, für die ja der Jeansstoff bekannt ist mit den Bergen und dem blauen Enzian, die indigo blaue Blume, symbolisieren bzw. kombinieren, so wie der Kern unserer Idee. Das Modell „Almwiese“ soll den ganzen floralen Kitsch reflektieren – sozusagen, der Hawaii-Style der Alpen. Mit der „Waldmann“ haben wir unsere erste Zusammenarbeit mit einem Künstler realisiert. Eliot ist für uns ein alter bekannter Beatboxer aus der Münchner Szene, der sich aber auch in der urbanen Pop Art Szene mit seiner Kunst einen Namen gemacht hat – als wir seine in Kreuzstich bestickten Bilder gesehen haben war uns sofort klar, dass wir seine Kunst auf unsere Hosen bringen müssen – so realisieren wir jetzt gerade mit „Raymond Miller“ von Heimatstoff (Westend), ebenfalls ein Künstler, der viel mit dem Abbild von Ludwig II. arbeitet. Insgesamt ist bei der Stickerei ist noch sehr viel Raum für Kreativität.

Wo kann man die Hosen kaufen und was kosten sie?

Die Hosen kosten zwischen 165 € und 200 €. Wir haben uns sehr bemüht, unsere aufwendig verarbeiteten Hosen im Handel zu platzieren, aber leider größtenteils erfolglos. Die Händler sind sehr skeptisch und wir haben unterschiedliche Sachen probiert. Deswegen gibt es unsere Sachen auf geppebba.com und auf oipnglügg.de. Wir können uns hier persönlich um die Leute kümmern und der Kontakt zu unseren Fans, die unsere Sachen zu schätzen wissen, ist uns sowieso am wichtigsten.

Wie kombiniert man die veganen Lederhosen zum Beispiel für die Wiesn?

Das funktioniert für uns im Streetwear-Look genauso gut wie im Trachtler-Look. Da haben wir genau das, wo wir uns eben auch sehen. Die Harmonisierung von der heutigen Alltagskleidung mit unserer heimatlichen bayrischen Identität. Ich habe mich mal mit einem Trachtenvereinsmitglied darüber unterhalten und positive Fürsprache bekommen, dass wir in dieser Richtung tatsächlich etwas Gutes erreicht haben. Aber wie es in der Mode eben auch ist – Tabus müssen eigentlich immer gebrochen werden 😉

Was sind eure Zukunftspläne?

Natürlich haben wir auch mehr Ideen, was Oberteile oder auch Dirdl betrifft aber unsere Kapazität kommt unserer Kreativität nicht hinterher. Wir sehen uns im qualitativ hochwertigen Modebereich, wir sind textile Kunst mit funktionalen Aspekten.

Oipnglügg im Web?

Wir haben eine Webseite und natürlich eine oipnglügg Facebookseite.

Danke für das tolle Interview!