Restauratoren am Tegernsee – Familie Kruse-Prey

Die liebe Carmen Knott war mal wieder für uns unterwegs. Diesmal hat sie die Restauratoren-Familie Kruse-Prey am schönen Tegernsee besucht und über ihren Beruf ausgefragt. Zudem hat sie die Wohnung und die Werkstatt natürlich mit ihrer Kamera fotografisch festgehalten und herausgekommen sind sehr atmosphärische Bilder von dem urgemütlichen Haus der Familie, in dem man die Kreativität in jeder Ecke spüren kann- aber seht selbst 😉

Betritt man das Haus von Franziska Prey und Caspar Kruse am Tegernsee, erkennt man sofort, wie sehr sie das Alte, das wertvoll Aufbereitete schätzen. Das Familiendomizil der beiden Restauratoren ist Ausdruck für ihr Leben als kreative Menschen, die viel Zeit und Geduld mit der detailverliebten Restaurierung von Antiquitäten verbringen.

Wo kommt ihr ursprünglich her und was verschlug euch nach Gmund am Tegernsee?

Caspar: Du meinst wahrscheinlich, weil wir nicht bayerisch sprechen. Wir haben beide norddeutsche Eltern, sind aber im Großraum München aufgewachsen.
Franziska: Das Witzige ist, dass wir in Nachbarorten aufgewachsen sind und dass Caspar und meine große Schwester sogar in die Parallelklasse gegangen sind und wir das erst später festgestellt haben.

Seit wann wohnt ihr in diesem Haus und wie seid ihr dazu gekommen?

Franziska: Wir wohnen seit Februar `92 hier und haben das nach langem Suchen und schon Aufgeben in der Zeitung gefunden. Wir haben es uns in den Weihnachtsferien angeschaut und sofort beschlossen, dieses tief verschneite Haus zu nehmen.

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War dann von Anfang an geplant, dass ihr die Werkstatt auch dabei habt?

Franziska: Ja, das war der Sinn der Suche.
Caspar: Die Werkstatt gab es damals noch nicht. Sie war roh aufgebaut und wir haben sie dann ausgebaut. Es war eigentlich eine Tenne, allerdings schon hoch gemauert. Dann haben wir alles isoliert und zu einer Werkstatt gemacht.

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Wie war es mit euren beiden Kindern hier zu wohnen? Valentin studiert inzwischen an der Düsseldorfer Kunstakademie Bühnenbild und Henriette fasst neue Reisepläne nach dem Abschluss ihres Tourismusstudiums in München. Wie ist es, wenn man Arbeitsplatz und Wohnbereich kombiniert zusammen mit Kindern kombiniert?

Franziska: Das war ja genau, was wir gesucht haben. Wir hatten vorher zwei Werkstätten in verschiedenen Himmelsrichtungen und eine kleine Wohnung.
Caspar: Hält einen natürlich viel von der Arbeit ab, aber gleichzeitig wissen die Kinder, was man macht und ich denke, das ist ein großer Vorteil.
Franziska: Wir konnten abends arbeiten, wenn die Kinder im Bett waren und tagsüber hatten wir Zeit für sie.

Wie seid ihr denn überhaupt zur Restaurierung gekommen? Wart ihr mal irgendwo angestellt?

Caspar: Bei mir hat es mit einer Schreinerlehre angefangen, ich wollte aber schon immer restaurieren. Da hab ich mir gesagt, erst mal schreinern lernen. Und dann gab es damals die überhaupt erste Restauratorenschule in Deutschland, in Haimhausen.
Franziska: In meinem Elternhaus gab es Möbel, bei denen ich mir dachte, dass es doch ein toller Beruf wäre, wenn man diese erhalten könnte. Daraufhin habe ich eine Schreinerlehre gemacht. Danach verreiste ich und als ich zurückkam, suchte ich Arbeit und landete bei Caspar. Es war ein kurzer, aber effektiver Weg. Und im selben Jahr noch habe ich mich selbstständig gemacht.

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Was ist für euch der Reiz am Restaurieren?

Franziska: Der Reiz ist der Erhalt von Kunst und Kulturgut. Für mich ist das erstrebenswert.
Caspar: Man muss sagen, dass wir damals schon einen neuen Weg beschritten haben. Heute ist das mehr oder weniger üblich, wenn man sich dagegen anschaut, was vor 30 Jahren verbrochen wurde. Meine Ausbildung war diesbezüglich sehr gut, da damals der Weg eingeschlagen wurde, nicht alles vollkommen neu zu machen, abzuschleifen, teilweise kaputt zu machen, sondern erst zu fragen, was vorhanden ist, wie man das erhalten kann und wie man dem Stück trotzdem wieder ein gepflegtes Gesicht geben kann – ohne seine Geschichte zu leugnen.
Franziska: Gepflegte alte Damen eben, die maximal eine vier Wochen dauernde Kur machen, sich salben und baden, aber nicht liften. Eine Dame, der sieht man ihre Jahre an.

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Wie läuft bei euch ein ganz normaler Arbeitstag ab?

Caspar: Wir haben uns geeinigt, nicht vor neun Uhr zu beginnen, aber man steht natürlich trotzdem früher auf und schmeißt den Laden an, heißt: man betätigt den Hauptschalter, damit so Dinge wie Heißleim, der immer zur Verfügung stehen muss, schon mal hochfahren und dann wird erst einmal in Ruhe gefrühstückt. Erste Amtshandlung ist, wenn hier Leute arbeiten, ihnen eine Tasse Tee in die Hand zu drücken und dann wackeln wir da so langsam hoch.
Franziska: Ich mache noch kurz etwas Haushalt und dann wird bis um ein Uhr gewurstelt, dann gibt es ganz klassisch um eins was zu essen. Allerdings nur, wenn Praktikanten hier arbeiten. Wir essen immer alle zusammen. Wenn wir alleine sind, machen wir das nicht, dann haben wir einen ganz anderen Rhythmus. Dann wird später angefangen zu arbeiten, dafür aber dann durchgehend ohne die ganzen Kaffeepausen und erst abends gegessen.

Habt ihr immer Praktikanten da?

Caspar: Ach, mit Pausen. Mal mehr, mal weniger. Wir standen auch schon zu fünft in der Werkstatt. Ein Mitarbeiter und zwei Praktikantinnen. Das war dann aber so anstrengend, dass wir erst einmal wieder Pause brauchten. Denn je mehr Leute da sind, desto abgelenkter ist man von seiner Arbeit. Man kommt selbst gar nicht mehr zum Arbeiten, weil man nur hin- und herrennt und Fragen wie „wie geht dieses?“, „wie geht jenes?“, „wo finde ich das?“ beantwortet. Da verliert man ein bisschen den Bezug zur eigenen Arbeit.

Wie ist das mit Urlaub? Wann genehmigt man sich als Selbstständiger Urlaub und wo geht es dann für euch hin?

Franziska: Als die Kinder noch zur Schule gingen, haben wir immer am Anfang der Ferien die Werkstatt zugemacht – dann mussten alle Ferien machen. Wir fuhren immer an die Nordsee, nach Amrum, denn dort gibt es ein Domizil für uns. Man kam nach Hause, sozusagen, und alle haben sich wohlgefühlt. Jetzt ist es anders. Da gibt es allerdings noch keinen Rhythmus. Aber man muss sich diese Ferien leisten. Manchmal ist einer von uns hier geblieben, der dann die Werkstatt weiter gemacht hat und der andere ist alleine mit den Kindern gefahren oder später für eine Woche nachgekommen.
Caspar: Einer der wenigen Vorteile an der Selbstständigkeit ist natürlich, dass wir an so einem selten schönen Sonnentag wie heute nicht in der Werkstatt wären. Man kann ja immer arbeiten, aber wenn wir wissen, die nächsten drei Tage wird es wieder regnen, dann heißt es den schönen Tag nutzen. Das ist herrlich, ja auch eine Art von Freiheit. Wobei man das nicht damit verwechseln darf, dass dann nichts zu tun wäre; dafür bezahlt man natürlich danach gleich wieder.

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Wer kümmert sich denn um die Gartenarbeit?

Caspar: Jeder, der gerade da ist, Kraft hat und die Arbeit mit seinem Rücken vereinbaren kann.
Franziska: Auch die Praktikanten müssen immer ein bisschen mitmachen. Sie sind den ganzen Tag hier und finden es in der Regel sehr schön hier. Da müssen sie auch mal mit uns Holz stapeln. Das packen wir im Winter ja auch in die Werkstatt in den Ofen. Findet keiner schlimm. Und nachher bekommt jeder ein Bier.
Caspar: Bei uns wird aber kein Praktikant zum Kaffee kochen missbraucht, tatsächlich nie. Alle müssen eben an einem Strang ziehen. Und alle haben sich immer verändert. Man bekommt mit diesem Beruf viel Menschenkenntnis. Man muss ja in die Häuser der Kunden gehen und mit den Bewohnern sprechen. Das macht einen relativ großen Teil unserer Arbeit aus. Man merkt, dass das die jungen Leute, die anfangs noch sehr schüchtern sind, verändert.
Franziska: Es ist nicht nur das praktische Handwerk, sondern auch die psychologische Betreuung von Antiquitätenbesitzern.
Caspar: Denen man klar machen muss, dass sie etwas Anständiges besitzen und man einem Tisch zum Beispiel nicht mal eben die Beine abschneiden kann, nur weil sie jetzt einen Couchtisch haben wollen.

Wie kommen eure Kunden zu euch?

Caspar: Das meiste ist Mund zu Mund. Das ist auch das Erfolgreichste. Außerdem entwirft Franziska immer Weihnachtskarten mit einer kleinen Zeichnung, meist irgendetwas, das mit der Werkstatt zu tun hat.
Franziska: Ende Januar rufen manche an, um zu sagen, dass sie keine Karte bekommen hätten und dann antworte ich, dass ich dieses Jahr gar keine geschrieben habe, weil ich eben einfach keine Idee hatte. Ich bin ja auch keine gelernte Zeichnerin, das ist immer alles krumm und schief und alles handgeschrieben. Das fällt aus der anderen Weihnachtspost heraus mit dem Gold und Glitzer.

Wie kommt es denn zu dem Stilmix in der Privatwohnung?

Franziska: Wir sind Sammler und können nichts wegwerfen. Dadurch mussten wir etwas mehr aufbewahren, als uns lieb ist und jetzt kam auch noch ein Erbfall dazu, da musste dann wieder umgedacht werden. Ich kam einst hierher und besaß einen Stuhl, der jetzt in der Küche steht, eine Tischplatte und einen Futon. Mehr gab es nicht.

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Habt ihr ein Lieblingsmöbelstück?

Franziska: Mein Stuhl. Das ist ein Erbstück meiner Großmutter. Er war damals himmelblau angemalt und mein Großvater konnte ihn aus den Ruinen seiner zerbombten Wohnung retten. Aber eigentlich mag ich keine Möbel. Ich würde lieber in leeren Räumen auf dem Fußboden leben. Früher hatte ich so eine kleine, tolle Wohnung unterm Dach, da fand alles auf dem Boden statt. Ich hatte eine Tischplatte auf vier kleinen Backsteinen, da saß sogar meine Omi mit mir auf dem Boden.

Gibt es etwas, das euch niemals ins Haus käme?

Franziska: Eine Einbauwand.
Caspar: So eine Kompletteinrichtung aus dem Einrichtungshaus nach dem Motto: „Kauf dir ein Schlafzimmer“.

Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

Franziska: Wenn es nicht regnet, hier unterm Kirschbaum.

Wenn ihr auch mal ein Möbelstück bei den Kruse-Preys aufpolieren lassen möchtet, könnt ihr sie hier erreichen: kruseundprey@gmail.com

Das Interview sowie alle Bilder stammen von Carmen Knott.