Selbstversuch – ein Münchner Kindl packt mit an!

Die Familie Stephan hat mich letzten Donnerstag eingeladen, um an ihrem Süßwarenstand auszuhelfen. Seit knapp 20 Jahren ist die Familie schon auf der Wiesn, selbstverständlich sind sie auch noch auf anderen Volksfesten vertreten, aber das Oktoberfest ist für sie immer noch etwas Besonderes.

Romantik pur?
Ehrlich gesagt habe ich mir den Herzal Verkauf auf der Wiesn immer sehr romantisch vorgestellt: Lang Verheiratete, frisch Verliebte und auf der Wiesn-Gefundene wählen einen Liebesgruß in Lebkuchenform: „Spatzl“ und „Zuckermaus“ für die Herzensdame. Je größer das Herz, desto größer die Bewunderung.

Fakt ist, der Herzalverkauf ist echte Arbeit!
Zu Beginn werde ich mit einer kleinen Schere ausgestattet und los geht’s:
Die Besucher des Standes sind so verschieden wie die angebotene Ware. Ehepaare kaufen Herzen für ihre Kinder, Freunde bringen sie ihren Mädels mit und Touristen ihrem Hotelportier. Je später der Abend desto größer werden die Herzal und mutiger die Sprüche.
Große Herausforderungen gibt es zwei: Erstens, es ist sehr schwierig Sprüche wie „Für di dua i ios“ ins Englische zu übersetzen ohne die bayerische Würze außen vor zu lassen. Zweitens, je weiter der Abend voran schreitet, desto kälter wird es. Glühwein vom Nachbarsstand hilft kurzzeitig, aber spätestens jetzt dämmert es mir, wieso Skiunterwäsche auch auf der Wiesn ihren Sinn hat. Mir wird klar, dass der Vekauf eine echte „Herzenssache“ ist. Kunden können sich teilweise sehr schwer entscheiden und handeln gern.

image-Kopie-2-e1412002337667

Eine quirlige kleine Frau kommt vorbei und wird von allen freudig begrüßt. Die Herzalprinzessin (so heißt sie wirklich!) kommt regelmäßig bei allen Ständen vorbei und nimmt Herzalbestellungen für den nächsten Tag entgegen. Herzal ist schließlich nicht gleich Herzal. Jeder Süßwarenstand auf der Wiesn hat seine ganz speziellen Herzen im Angebot.

Ob ein Lebkuchenherz bei euch Kindheitserinnerungen weckt oder ihr noch nie eines verschenkt habt, schaut doch noch bis Sonntag vorbei! Vielen Dank an Süßwaren Stephan und an deren fleißige Mitarbeiterin Anna!