Small Talk

Nichts ist ja so wichtig wie die Fähigkeit, einfach drauf los plappern zu können. Ein lockeres, kurzweiliges Gespräch, zum Zeitüberbrücken, zum Netzwerken oder auch, um peinliches Schweigen zu umgehen. Der Türöffner schlechthin. Im Berufsleben, bei Dates und so weiter. Gerne darf sich hierzu auch belanglosen Themen bedient werden. Das sagt zumindest die Definition des kleinen Gesprächs, die da lautet: „Die oberflächliche Unterhaltung über belanglose Themen, die man meist mit Personen führt, die man nicht gut kennt“. So weit, so gut. Häufig ist es jedoch so, dass man sich in Situationen befindet, in denen man nicht reden möchte und auch sonst irgendwie unpässlich ist. Weil man gerade gedankenversunken von Hawaii träumt oder sich eine strategisch günstige Argumentationskette für das bevorstehende Meeting überlegt. Oder aus Gründen. Ansprechen ist dann in etwa so, wie wenn man morgens um 6.30 Uhr von einem fies piependen Wecker aus dem Tiefschlaf gerissen wird. Genau, eher not so nice.

Oh, hi – was machst du denn hier? Warte auf die U-Bahn, du so? Ich auch. Das ist ja lustig. Mildes Lächeln. Ekelwetter draußen, nicht wahr? Mhh. Es regnet wie verrückt. Echt? Krass, das ist mir gar nicht aufgefallen, sage ich und streiche mir die klatschnassen Haare aus dem Gesicht. Geht´s dir gut, ja? Job läuft alles? Ja, alles bestens. Schön, schön! Also, dann. Schönen Tag noch. So oder so ähnlich, irgendwo im Untergrund zwischen Sendlinger Tor und Fraunhofer Straße. Was neben durchnässter Kleidung bleibt, sind die fünfhundertachtundreißig Sekunden bis die U-Bahn kommt. Das Wetter-Ping-Pong ist durch, weg kann man aus obenstehenden Gründen auch nicht. Und dann, liebe Freunde schnappt sie zu, die Small Talk Falle. Mit Leuten, die man nicht so gut kennt und mit denen man auch eigentlich nicht reden möchte können diese fünfhundertachtundreißig Sekunden ein halbes Jahrzehnt sein. Man könnte sich natürlich weiter belanglose Phrasen an den Kopf werfen und damit nicht nur sich, sondern auch alle Umstehenden peinlich berühren. Wer einmal  den Versuche einen solchen Gesprächs mitgehört hat, weiss wovon ich spreche #fremdschämendeluxe. Was also tun? Man könnte tiefer in die Materie einsteigen und von den Problemen auf der Arbeit erzählen oder, dass der Hund der Nachbarn Durchfall hat. Oder aber man hat ein paar gute Sprüche auf Lager, ein Ass im nassen Ärmel sozusagen.

Mit diesen Sprüchen seid ihr für den nächsten Small Talk gewappnet. Einfach mal ausprobieren:

  • „Lächeln gilt ja als Eisbrecher“ und dem Gegenüber eine Tüte Lachgummis anbieten.
  • „Ich glaub´ die U-Bahn hat nen Platten“, dabei verheißungsvoll in den Tunnel schauen.
  • „Tupac war in der High School Ballett-Tänzer. Nussknacker.“ Und zwinkernd ein paar Erdnüsschen aus der Tasche zaubern.
  • „In Hongkong dürfen betrogene Ehefrauen ganz legal ihre untreuen Ehemänner umbringen – allerdings müssen sie das mit bloßen Händen erledigen“. Sich dazu mit schmerzverzerrtem Gesicht über den Verband an der Hand streichen.
  • „Jetzt, wo du schon mal da bist – magst du nicht kurz reinkommen?“ und einladend auf die Bänke im U-Bahn Wartebereich zeigen.

Und wenn gar nichts mehr hilft:

  • „Ich könnte noch stundenlang mit dir plaudern, aber man soll ja aufhören, wenn´s am schönsten ist“.
  • „Schönen Tag noch, ich möchte mich jetzt nicht länger stören“.
  • „Man soll Gespräche ja immer positiv beenden“, freundlich die Hand schütteln „komme gerade vom Arzt und wurde positiv auf Vogelgrippe getestet“.
  • „War echt ein nettes Gespräch“ und lächelnd hinzufügen „ich freue mich, wenn wir uns nicht wieder sehen. Einen schönen Abend noch“.
  • „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“.

Und schwupps wird aus Small Talk Big Talk. Oder man fängt sich eine. Dann am besten wegrennen.

Cheers!

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