The Duke Gin

Gin mutierte im Laufe der Geschichte von der Armen-Leute-Spirituose zum absoluten In-Getränk. Seit 2008 gibt es mit „The Duke – Munich Dry Gin“ auch handgemachten Münchner Gin. Nach einer kleinen Führung durch die Räume, in denen die handgemachte Destillier-Maschine aus einer alten Kupferschmiede das Zentrum bildet, hat uns Gründer Maximilian in einem Gespräch verraten, woraus „The Duke“ besteht, was es mit dem Namen auf sich hat und warum vielleicht auch William und Kate bald richtige Fans des bayerischen Gins sein könnten.

Über Euch?

Wir sind die beiden Destillateure Max und Daniel und haben 2008 den „The Duke – Munich Dry Gin“ ins Leben gerufen.

Über Euch und München?

Es war von Anfang an die Grundidee, uns hier mitten in der Stadt anzusiedeln. Seit den 70er Jahren gab es tatsächlich keine einzige Destillerie mehr in München. Natürlich ist es in der Innenstadt teuer, es gibt schwierige Auflagen und eingeschränkte Kapazitäten. Viele haben unsere Idee deshalb anfangs als „Schnapsidee“ bezeichnet. Da lag die Beweislast bei uns zu zeigen, dass es dennoch möglich ist.

Euer München. Eine Empfehlung?

Neben altbewährten Klassikern wie dem Schumann’s oder dem Tabacco gibt es in München viele neue, junge Bars, die sich der traditionellen Barkultur verschrieben haben und sie wieder sehr stark zelebrieren. Angefangen bei der Goldenen Bar bis hin zu kleinen, feinen Bars wie der Zephyr Bar im Glockenbachviertel, in der man unglaublich tolle Drinks bekommt. An guten Bars ist diese Stadt mittlerweile wirklich gut ausgestattet.

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Wie kamt ihr auf die Idee Gin zu machen? Wie würdest du euer erstes Jahr beschreiben?

Das erste Jahr war natürlich sehr abenteuerlich. Wir haben deutlich besser bezahlte Jobs dafür aufgegeben, um unsere Phantasterei umsetzen zu können. Natürlich gab es viele Zweifel, Rückschläge und dann wieder Erfolge – insgesamt war es ein sehr turbulentes und spannendes Jahr für uns.

Gerade als Quereinsteiger waren wir gehalten durch besondere Qualität aufzufallen und viel Wert auf Details zu legen. Glücklicherweise durften wir uns mit der Entwicklung lange Zeit lassen, haben wir damals quasi unter dem Radar der großen Spirituosenkonzern an unserer „Schnapsidee“ getüftelt. Wir haben viele Profis eingehend interviewt, unzählige Destillerien und deren Methodik studiert und uns so nach und nach an das Thema herangetastet. Ende 2008 war dann endlich die erste Flasche abgefüllt. Allerdings lief alles zunächst über Mundpropaganda, die uns so manchen Liebhaber feiner Destillate in den Hinterhof lockte. Später wurden dann allmählich erst die Gastronomie und schließlich auch der Handel auf uns aufmerksam.

Wie macht man Gin? Woraus besteht Gin?

Gin ist ein Gewürzbranntwein mit der bestimmenden Note Wacholder und weiteren Gewürzen, welche dem Wacholder mehr Komplexität geben, ihn verfeinern sollen. Stück für Stück haben wir uns in die Sensorik eingearbeitet und die unterschiedlichen Eigenschaften der Gewürze kennen gelernt. Schlussendlich haben wir uns für ein klassisches Herstellungsverfahren mit Mazeration und zweifacher Destillation entschieden. Insgesamt war das ein recht komplexes Gemeinschaftsprojekt. Von Beginn an stand uns der Destillateursmeister Reiner Hoppe, eine Kapazität in Sachen Spirituosen, mit Rat und Tat zur Seite. Daneben sind reichlich junge Mitarbeiter dazu gekommen, von denen wir mittlerweile einen zum Destillateur ausgebildet haben. Insofern ergänzen sich Erfahrung und neue Energie ganz gut und machen die THE DUKE Destillerie zu einem Wissensquell im Bereich der Spirituosen.

Was macht euren Gin besonders?

Unsere Rezeptur darf man einerseits als sehr ursprünglich bezeichnen, denn sie ist geprägt von einem kräftigen Wacholdergeschmack. Gleichzeitig ist der Gin mit seinen vielen aromatischen Eindrücken sehr komplex, jedes einzelne Gewürz hat seine Funktion. So setzen wir etwa frische Zitronenschalen ein, die dem Ganzen eine gewisse Frische verleihen ohne gleich alles mit Zitrusaromen zu erschlagen wie bei Waschmitteln & Co. Die pfeffrigen Noten im Nachhall kommen durch den floralen Kubebenpfeffer und die Ingwerwurzel. Sie verlängern das Geschmackserlebnis und verleihen dem Gin etwas leicht Prickelndes. Andere Gewürze wie Lavendel- und Orangenblüten geben dem Gin eine hauchzarte „parfümierte“ Note. Insgesamt machen 13 verschiedene Gewürze unseren Gin aus, nicht zu vergessen unsere zwei genuin bayerischen Zutaten – Hopfen und Malz. Gerade unser Malz ist unsere bayerische Geheimwaffe für den milden Abgang. Zu guter Letzt wollen wir nicht verhehlen dass wir Münchner Leitungswasser zum Herabsetzen des Destillats auf 45% vol. verwenden.

Ginherstellung

Was bedeutet Dry Gin?

Dry Gin oder London Dry Gin ist eine Qualitätsbezeichnung. Sie sieht unter anderem vor dass es sich um ein destilliertes Produkt handelt. Mit unserem „Munich Dry Gin“ haben wir dabei noch einen drauf gesattelt. Es darf keinerlei Zucker zur Abrundung hinzugefügt werden, wir arbeiten nur mit der aromen-eigenen Süße. Ein weiteres Kriterium ist die Hinzugabe von rein biologischen Kräutern und Gewürzen. Dass macht das Destillat unterm Strich noch mal deutlich intensiver.

Hat sich seit dem Produktrelease am Rezept etwas verändert, wenn auch nur leicht?

Im allerersten Jahr haben wir noch hier und da an einigen Feinheiten gefeilt und bei den Rohstoffen hinzugelernt. Grundsätzlich haben wir uns aber auf einen eindeutigen Geschmack festgelegt und haben das bis heute beibehalten. Und das ist auch enorm wichtig! Unsere Kunden müssen sich darauf verlassen können, immer die gleiche Qualität zu erhalten. Beispielsweise im Barbereich muss der Bartender wissen, der Duke funktioniert in dieser oder jener Mischung, da werden durchaus Nuancen wahrgenommen. Insofern besteht die Herausforderung darin, diese Qualität dauerhaft zu gewährleisten, – anders als etwa beim Single Malt. Da ist ein gutes Qualitätsmanagement gefragt, bei dem etwa berücksichtigt wird, dass unbehandelte Rohstoffe auch mal anders ausfallen können. Dann muss mit viel Feingefühl gegengesteuert werden.

Kommen die Kräuter auch alle aus regionalem Anbau?

Ich würde gerne sagen, dass wir alles vor der bayerischen Haustür finden aber bei einigen Gewürzen ist das natürlich schlicht unmöglich. Unsere Wacholderbeeren kommen beispielsweise aus dem Appenin in Italien und die Orangenblüten aus Spanien. Zimt und Koriander beziehen wir aus Indien und den Lavendel ganz klassisch aus der Provence. Die Hopfenblüten kommen natürlich aus der Hallertau und das Malz aus Bamberg. Jedoch, bei allen Produkten geht die Qualität vor, daher sind unsere Rohstoffe allesamt aus rein biologischem Anbau.

Eine wichtige Frage in Bayern: Bierkultur vs. Ginkultur?

Das ist natürlich eine interessante Mischung. Neben der klassischen und jahrhundertealten Bierkultur sind die guten Spirituosen wieder auf dem Vormarsch. Das darf man ruhig als kleine Renaissance bezeichnen – man achtet wieder mehr Qualität und es wird weniger zusammen gepanscht. Die Barkultur hat enormen Zulauf erfahren, der Kunde bekommt einfach wieder mehr geboten für sein Geld. Daneben gibt es hierzulande eine immer stärker wachsende Sensibilität für die Qualität von Produkten. Handarbeit hat insgesamt in vielen Gesellschaftsschichten wieder einen großen Stellenwert bekommen.

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Wie viele Mitarbeiter habt ihr mittlerweile und was ist eure größte Herausforderung?

Mittlerweile sind wir 17 Mitarbeiter und die größte Herausforderung ist im Moment der Platz und die Logistik, eine Entwicklung, die sich im innerstädtischen Umfeld schon länger abzeichnete.

Wo verkauft ihr euren Gin überall?

München und Bayern bilden neben den großen deutschen Städten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Köln unsere größten Märkte – dort sitzt meist der gut sortierte Einzelhandel und es gibt die größte Dichte an guten Bars. Wir verkaufen aber auch ins europäische Ausland, zum Beispiel nach Österreich, Belgien, Frankreich, England und in die Schweiz und weitere Länder.

Wie kamt ihr auf den Namen?

Wir wollten keinen allzu simplen Lokalkitsch machen aber dennoch ein starkes Profil haben und auch deutlich machen, wo wir produzieren. THE DUKE bezieht sich auf Heinrich den Löwen, den Stadtgründer Münchens aus dem Jahr 1158. Die englische Betitelung ist auch ein Tribut an die englische Tradition der Gindestillation, da Gin ja unverkennbar eine englische Handschrift trägt.

Wie habt ihr eure Flaschen und euer Logo designt?

Unser Logo stammt von einer befreundeten Designerin. Die massive Flasche in angelehnter Apothekeroptik, der Holzgriffkorken mit Brandlogo und das pergamentartige, haptische Etikett unterstreichen den wertigen Handwerkscharakter des Inhalts. Wir wollten dabei aber auch nicht zu dick auftragen und haben uns an klassischen Motiven orientiert. Unser Design sollte zeitlos sein, nicht zu modern und kein Vintage-Kitsch.

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Ihr habt zur Hochzeit von William und Kate eine Flasche an den Buckingham Palace geschickt, habt Ihr so etwas noch einmal bei anderen Königshäusern gemacht?

Ja das war eine witzige Idee und passend für uns, da das englische Königshaus mit Queen Mum ja immer schon eng mit der Ginkultur verknüpft war. Unverschämterweise kam aber keine Antwort zurück… Vermutlich ist der Gin bei den Beafeatern hängengeblieben, aber alleine das wäre es schon wert gewesen.

Womit mixt man euren Gin am besten? Geheimtipp?

Gin Tonic ist natürlich der absolute Klassiker, der zu Recht ein Dauerseller ist. Ich mag aber auch sehr gerne Gimlets – einfach Gin mit Limettensaft und Zuckerrohrsirup. Das Ganze mit einer verfügbaren Garnitur versehen, fertig. Simpel aber unglaublich lecker! Grundsätzlich ist Gin mit die vielfältigste Spirituose, was sich auch in den unzähligen Rezepten weltweit wiederspiegelt. Er funktioniert sowohl mit süß, aber auch mit sauer und bitter.

The Duke findet ihr im Web, auf Facebook und neuerdings auch auf Instagram.

Wir danken euch sehr für das Interview!

Alle Bilder © The Duke