Unbezahlbar.

Es ist ja so, dass manche Dinge nach einiger Zeit kaputt gehen. Regenschirme, Muttis gutes Porzellan, Lieben, oder nagelneue Blusen. So was in der Art halt. Manchmal viel früher als mir lieb ist. Neulich zum Beispiel blieb ich mit meiner nagelneuen (und ziemlich schönen) Bluse an meinem Bürostuhl hängen. Ratsch. Faden gezogen. Gerkräusel vom linken Arm bis hoch über die Brust. Meinen filmreifen Aufschrei quittierte mein Kollege ziemlich unbeeindruckt und mit hochgezogener Augenbraue. „Oh, war die teuer?“.

Als mein Puls wieder im dreiviertel Takt schlug und sich etwas Blut in meinem Koffeinkreislauf wiederfand, dachte ich über seine Aussage nach. War die teuer? Nein, sonderlich teuer war diese Bluse nicht. Aber sie war neu und schön und ich schwöre ich hätte mit dieser Bluse die Welt retten können. Ehrlich. Was kostet die Welt und was heisst überhaupt teuer? Wird denn alles nur noch in monetärem Nutzen gemessen? Wenn das so ist, dann ist das pinke, fast schon rostige Armbändchen aus dem Kaugummiautomaten einemillionvierhundertdreiundachzig Euro wert. Ganz einfach, weil es von ihm ist. Oder das liebevoll gezeichnete Kunstwerk aka Strichmännchen am Kunstmarkt mindestens dreitausendfünfhundert Euro bringt, weil es von dem süßesten Patenkind der Welt gemalt wurde. So lange Dinge eine Bedeutung haben – ob sie uns ein Lächeln auf´s Gesicht zaubern oder einen Stich ins Herz versetzen – sind sie so voller Leben und das ist das Wertvollste überhaupt. Foreva and evaaa. Oder?

Und manche Dinge kann man schlichtweg auch einfach nicht kaufen. Weil sie unbezahlbar sind. Der Moment vor dem ersten Kuss, wenn man jemanden so richtig mag, zum Beispiel. Oder der erste Biss in einen vor Fett nur so triefenden Burger, wenn man kurz vorm Hungertod steht. Der Lieblingssong im Radio, während der Cabriofahrt. Am Montagmorgen Kaffeebohnen ganz hinten im Küchenschrank zu finden, obwohl sie eigentlich alle waren. Ein Post-it am Badezimmerspiegel. You are beautiful. Ein Kribbeln im Bauch. Frühling.

Unbezahlbar. Für alles andere gibt es die Mastercard. Das wissen die Kreativköpfe von McCann Erikson schon lange. Und ich auch. Ha!

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