Wegen weil. Is nich.

Der Sommer ist ja dieses Jahr das, was zwischen 9 und 18 Uhr passiert. Pünktlich zum inoffiziellen Ende des Arbeitstages und offiziellem Beginn der Biergartenzeit, scheint es als würde Petrus uns  keine lauen und feucht fröhlichen Abende gönnen wollen. Zumindest gefühlt. Ich lasse den Regenschirm in der Schublade – in echt – und beginne zu tippen. Keine Ausreden, keine Verabredungen, kein Sommer und nicht einmal Fußball. Der Urlaub in der Provence fällt nun auch flach. Aus Gründen. Das Ende der langen Bank ist in Sicht, die Prokrastination hat ein Ende. Hell yeah.

Jedoch will ich nicht unvorbereitet starten. Es könnte ja sein, dass ich in einen regelrechten Schreibfluss komme, bei dem die Gedanken nur so sprudeln. Sprudel ist das Stichwort, denn trinken muss der Mensch. Zu wenig Flüssigkeit verursacht Kopfschmerzen und beeinträchtigt die Konzentration. Habe ich gerade gegoogelt. Eine hübsche Glaskaraffe mit Wasser und Minzblättern steht nun vor mir. Wunderbar. Wichtig ist aber auch, dass der Schreibtisch aufgeräumt ist und nichts herumliegt, was eventuell vom Schreiben ablenken könnte.

Mpff. Verstohlener Blick nach links, besorgter Blick nach rechts. Ein mittelgroßer Stapel Unterlagen, die schon längst hätten einsortiert werden sollen. Geworden sein. Oder wie war das mit Futur 2. Anyways. Ein paar Kassenzettel von Tengelmann & Co. Zwei Fläschchen Nagellack. Eine Kreditkartenabrechnung. Waaaas? Um 02.43 Uhr 150,- Euro für eine Flasche Gin. Himmelherrgott ich muss meine Ausgaben besser überwachen. Am besten die Kreditkarte zuhause lassen. Das schreibe ich mir lieber gleich mal auf. Nicht, dass ich das noch vergesse. Wo sind denn hier diese Post-its? Nichts da, wenn man mal was braucht. Kein Wunder, dass kein konzentriertes Arbeiten stattfinden kann. Tss.

Eine Stunde später sind meine Nägel frisch lackiert und am Schlüsselbrett hängt ein grellpinkes Post-it mit der Aufschrift. „Augen zu Karte durch“. Der Stapel Unterlagen und alles, was hier sonst noch so rumliegt wandert in die Schublade – mit einem Rutsch ist alles weg. Herrlich, so ein cleaner Arbeitsplatz. Ich fühle mich wie ein völlig neuer Mensch. So kann man arbeiten. Während ich durch meinen Instagram Feed scrolle verspüre ich ein leichtes Hüngerchen. Ich richte mir mal besser so eine hübsche Obstplatte – nicht, dass ich vor lauter Hunger aus der Konzentration gerissen werde.

Und ganz ehrlich, man muss auch einfach mal dranbleiben. Sich nicht immer so leicht ablenken lassen. Ausharren. Das können ja wirklich nur noch die wenigsten. Dann wird da nämlich ein Schuh draus, oder eine Kolumne. Hihi.

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